Nichts

Placebomarketing und Pseudomaschinen

Glaube als Erfolgsfaktor in der Medizin

Von Hermann Grösser

Man nehme das nicht übel! Eben dasjenige, was niemand zugibt,
niemand hören will, muss desto öfter wiederholt werden.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

In vielen naturheilkundlich orientierten Praxen sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche elektronische Geräte zur Diagnose und Therapie zu einer festen Größe geworden, ohne die heute kaum ein Therapeut mehr auszukommen scheint. Wer diese Entwicklung verfolgte, kommt nicht umhin, sich über die vielen neuen Hersteller und Modelle zu wundern, die inzwischen auf dem Markt erschienen sind. Auch die Bioresonanz-Therapie oder das, was als Bioresonanz heute alles bezeichnet wird, kommt dabei nicht zu kurz. Ihr gilt in Folgendem besondere Aufmerksamkeit, zumal mehrere Firmen sich als die alleinigen Besitzer des Know-hows der Geräteherstellung und deren Weiterentwicklung wähnen.

Gleiches gilt für die angeblichen Funktionsprinzipien, die je nach Autor oder Firma teils unterschiedlich definiert werden. Neue, gesicherte Erkenntnisse dürfte es mangels wissenschaftlicher Validierung wohl kaum in diesem Bereich der „nicht-materiegebundenen“ Wirkungen geben. Nach wie vor werden die auf immaterieller Ebene stattfindenden Vorgänge von den meisten Herstellern so gut wie nie erwähnt. Verständlicherweise, denn wer möchte schon in einer materialistisch orientierten Welt zugeben, mit nicht messbaren Komponenten, oder gar mit physikalischem Hokuspokus zu arbeiten. Alles muss heute wissenschaftlich erscheinen und dem neuesten Stand der Technik entsprechen. In Anlehnung an die Quantenphysik ist deshalb Quantenmedizin die Bezeichnung der Wahl.

Die Rolle des Bewusstseins in Zusammenhang mit Bioresonanz- und ähnlichen Geräten der Komplementärmedizin ist den wenigsten vollumfänglich verständlich und steht bisher auch noch auf keinem offiziellen Lehrplan. Valide Forschungsergebnisse bei bewusstseinsrelevanten Verfahren zu erzielen, dürfte jedoch ein schwieriges Unterfangen sein, zumal jeder Anwender, bzw. Konstrukteur seine eigenen Vorstellungen über Funktion und Wirkungsweise der jeweiligen Methode hat.

Im Folgenden soll, wie schon in vorhergehenden Beiträgen des Autors, auf einige Gepflogenheiten sowie kürzliche Entwicklungen in der Branche aufmerksam gemacht werden. Der Bericht dient der Information und ruht auf eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Er dient als Abschluss eines jahrzehntelangen Weges in der alternativ-komplemetären Medizin.

Dabei soll gezeigt werden, wie u.a. durch Placebo-Marketing ignorante und materiegläubige Klienten in die Irre geführt werden und bereit sind, viel Geld für elektronischen Schnickschnack auszugeben, der mit der eigentlichen Wirkung des jeweiligen Systems nur indirekt etwas zu tun hat. Doch wie beurteilt ein Interessent nun das immer größer werdende Angebot in diesem Bereich und welche Möglichkeiten gibt es, um zwischen Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden.

Welche Kriterien sind überhaupt ausschlaggebend, um ein für sich passendes Gerät zu finden? Sind es die Anzahl der blinkenden LEDs, die Größe mit ansprechendem Design, Gewicht und Farbe, oder ist womöglich der Preis als Gütezeichen zu werten, so nach dem Motto: je teurer, desto effektiver. In der Tat, ein hoher Preis wirkt glaubensstärkend, vor allem für Personen, die mangels profunden Wissens, mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten weniger vertraut sind und oft blindlings akzeptieren, was Hersteller ihnen vorsetzen.

In der naturheilkundlichen Szene sind Geräte vom Typ Bioresonanz gut bekannt und zahlreiche Erfahrungsberichte dokumentieren die Wirksamkeit der Methode (wobei die „Wirkmechanismen“, da nicht materiegebunden, sich einer wissenschaftlichen Beweisführung entziehen). Kein Wunder, dass manche Hersteller sich des Namens bedienen, ohne ihre Geräte mit den klassischen Funktionen, wie z.B. Invertierung, dafür ausgestattet zu haben. Der Name Bioresonanz alleine scheint heute bereits Garant zu sein, um Aufmerksamkeit seitens der Interessenten zu wecken und ihre Kaufbereitschaft zu steigern.

Von Feinstrom, Frequenzen und anderen Symbolen

Dabei gibt es ganz unterschiedliche Ansätze und Ausführungen. So nutzt z.B. die konventionelle Bioresonanz definierte Frequenzen, bzw. Frequenzduchlassbereiche, während die moderne chinesische Bioresonanz in Form des TAO Medical die Trigramm-Akupunktur als Basis für die psychoenergetische Regulation einsetzt. Die Invertierung wird automatisch durch unterschiedliche Positionierung der Trigramme ermöglicht, sollte dies gemäß Test erforderlich sein. Hinzu kommen zum Yin/Yang Ausgleich die mit der „I Ging Resonanzdiagnostik“ ausgewiesenen Akupunturpunkte. Es gibt neuerdings noch andere Systeme, wie z.B. das Trikombin mit Feinstrom und wesentlich erweiterter Technik. Begründet wurde es von Alan E. Baklayan, ein Heilpraktiker aus München, der bereits seit 1993 die BICOM-Bioresonanz einsetzte und angeblich neun BICOM Geräte in zwei Schichten in seiner Praxis im Einsatz hatte, so zumindest steht es in der BICOM Bioresonanz News 2/2001.

Überhaupt scheinen Frequenzen und Mikroströme eine magische Wirkung auf Therapeuten auszuüben, vor allem wenn sie noch mit dem Wort Bio und mit einer Indikation verbunden sind. Es scheint wahre Frequenzmagier geben zu haben, wie z.B. Royal Raymond Rife (1888-1971) oder Hulda Clark (1928–2009), die angeblich gegen fast alles Frequenzen anzubieten hatte, so auch gegen Krebs, an dem sie schlussendlich selbst starb. Zahlreiche Hersteller profitieren von der Frequenzwelle – alles schwingt lautet die Devise! Beispiel: Rife Digitale Bioresonanz, für weniger als 500 Euro sind Sie dabei. Es gibt auch eine Liste der Rife-Frequenzen, die so genannte CAFL-Liste (Consolidated Annotated Frequency List) in der weit mehr als 1000 Frequenzen mit Indikationen aufgeführt sind. Auch der Begriff „Elektrische Kräutermedizin“ (Electroherbalism) ist dafür gebräuchlich.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch der Diamond Shield Zapper mit Mikroströmen, der in die gleiche Preiskategorie fällt. Es ist ein preisgünstiges Kleingerät für die Frequenztherapie zu Hause, ein Panazea, das in keinem Haushalt fehlen sollte. Seine Effektivität wird durch Wobbeln, Modulation der Frequenzen und Mikroströme vielfach verstärkt, so der bereits erwähnte Frequenzforscher Alan E. Baklayan. Baklayan hat nach eigenen Angaben die ursprüngliche Bioresonanz-Therapie weiterentwickelt und bewirbt nun seit einiger Zeit das Trikombin-Gerät als das Ergebnis einer langjährigen Forschungsarbeit und als die „höchste Ebene“ der Bioresonanz.

Erhebt sich natürlich die Frage, wer definiert die höchste Ebene der Bioresonanz und was machen nun die traditionellen Gerätehersteller, wie z.B. Regumed (BICOM), Med-Tronik (MORA) und andere, die demnach wohl nur mehr Geräte auf niederer Ebene anzubieten haben. Wer soll denn die noch kaufen, wenn es jetzt etwas viel Besseres mit weit mehr Möglichkeiten gibt? Das dürfte natürlich auch für die Firma Bio-Kat zutreffen, die die früheren MORA-Geräte seit einiger Zeit nachbaut und sie als klassische Bioresonanz propagiert. Die Mitarbeiter von Bio-Kat sind größtenteils frühere Angestellte von Med-Tronik, die das technische Erbe des Mitbegründers Erich Rasche (Inhaber von zahlreichen, gekauften Auszeichnungen und Diplomen) weiterführen wollen. In Anbetracht der zunehmenden Zapper-Euphorie kann man dieser anti-evolutionären Truppe nur viel Erfolg wünschen.

Wir sind es gewohnt zu glauben, dass wenn ein Wort existiert, der damit benannte Gegenstand, bzw. das beschriebene Wirkprinzip auch tatsächlich vorhanden ist. Doch weit gefehlt, was so manche Verfahren der Komplementär-Medizin betrifft, die so häufig etablierte Termini der Physik missbrauchen. Neue Begriffe oder Behauptungen tauchen immer wieder auf und kaum jemand dürfte sich im Dschungel der Worthülsen zurechtfinden.

Neuerdings propagiert das Institute Dr. Rilling INC messtechnisch nicht erfassbare Skalarwellen, deren diagnostische Möglichkeiten an wahre Wunder grenzen sollen. So bietet z.B. das Bioscan-SWA, eine Skalarwellenanalyse als Blutdiagnostiksystem an und wirbt mit dem Slogan „Scannen statt Labor“. Der Fortschritt ist nicht mehr aufzuhalten, da kann einer nur staunen! Doch selbst wenn physikalische Komponenten, wie z.B. elektromagnetische Frequenzen, Feinstrom oder Felder nachweislich vorhanden sind, wären diese noch kein Garant für eine physiologische Relevanz bei anwenderbedingten Systemen und den hunderten von Indikationen, die die Hersteller jeweils angeben. Das Bewusstsein stellt auch hier die übergeordnete Größe dar.

Wirkprinzipien

Nach wie vor stellt sich die Frage nach den eigentlichen Wirkprinzipien dieser Methoden, die, wie auch der Placebo-Effekt bei Geräten, noch nicht tiefgehend erforscht sind. Sind sie materiell oder immateriell, oder eine Kombination aus beidem, wobei die nicht materiegebundenen Wirkparameter auf Grund des Polaritätsgesetzes zwangsläufig bewusstseinsrelevant, d.h. geistbasiert sein müssen und damit anwenderbedingt sind. Die Wissenschaft hat für geistbasierte Methoden jedoch keine Bewertungskriterien, sie muss bei nicht-materiegebunden Wirkungen einfach passen.

Bewerten kann sie lediglich die Auswirkungen von bewusstseinsrelevanten Methoden statistisch. Ganzheitliche Konzepte, die Körper, Geist und Seele einschließen, lassen sich wissenschaftlich ebenso wenig bewerten wie die „Kunst der Anwendung“ und so werden die am Heilerfolg beteiligten nicht-spezifischen Anteile der Einfachheit halber dem Placeboeffekt zugeschrieben, der ebenfalls ein geistiges Phänomen darstellt und vom Bewusstseins ausgelöst wird. Die Komplementär-Medizin dagegen spricht gerne von Erfahrungsmedizin, ohne dabei freilich zu erwähnen, auf welchen Wirkprinzipien diese Erfahrung beruht. Der Begriff des Placebo ist bei ihr verpönt, kommt er doch „angeblich“ nur in der wissenschaftlichen Medizin vor – da kann einer nur Staunen ob solch naivem Glauben.

Spätestens an dieser Stelle sollten wir der besseren Klarheit wegen zwischen Inhalt und Form bei den Geräten unterscheiden. Die Bioresonanz und deren Derivate sind bewährte Therapiemethoden, darüber besteht kein Zweifel, sind doch zahlreiche Geräte weltweit im Einsatz. Doch auf was beruht ihr Erfolg? Die Mehrzahl der Gerätehersteller beschreibt im Allgemeinen nur die Form, betont das Äußere und die damit verbundenen Einstellkriterien am Gerät und stellt die Technik als therapierelevant dar. Nicht von ungefähr lautete das Motto des ersten Bioresonanzgeräteherstellers (Med-Tronik): Elektronik macht hier die Medizin!

Dass es sich dabei jedoch nur um Zuschreibungen von virtuellen Eigenschaften an die jeweilige Technik handelt bleibt unerwähnt. Von der Rolle des Bewusstseins und den damit verbundenen anwenderbedingten Faktoren erfährt kaum einer etwas, das muss jeder schon selbst entdecken, so er es denn tut. Häufig kommt die Ernüchterung in der praktischen Anwendung, doch klug ist jeder, der eine vorher, der andere nachher.

An einem klassischen Bioresonanzgerät, das so genannte patienteneigene Schwingungen modifizieren soll, lassen sich in Folge dessen auch keine physikalischen Therapiesignale an den Ausgangselektroden nachweisen. Warum auch, sie wären ohne das Primborium der Anwendung ja bedeutungslos, wie sich im Folgenden noch herausstellen wird. Gleiches gilt für die Betonung der Hersteller, dass ihre Geräte MedGV geprüft wären. Dies betrifft jedoch nur die technische Sicherheit und stellt keineswegs eine Wirkungsgarantie dar.

Bei den meisten Geräten am Markt ist vieles Fake (Schein) und dient nur dem therapeutischen Ritual. Gleiches gilt z.B. auch für die Abschwächung oder Verstärkung patienteneigener Schwingungen. Ob ein „NICHTS“ zehnmal virtuell abgeschwächt, bzw. tausendmal oder sogar Millionen Mal virtuell verstärkt wird, ist völlig irrelevant, was lediglich dabei zählt ist der im Bewusstsein des Anwenders stattfindende „geistige“ Prozess und die Bedeutung, die er seiner Aktion selbst zuschreibt. Mit anderen Worten: erst die Anwendung der Methode mit dem damit verbundenen Ritual erzeugt die Wirklichkeit und somit die Möglichkeit auf immaterieller Ebene wirksam zu arbeiten. Die Form spiegelt lediglich die dem jeweiligen Zeitgeist entsprechende Technik wider und dient dem Anwender nur als Geist-Materie Schnittstelle, bzw. als Mind-Matter-Interface (MMI), das als Mittler zwischen den Welten fungiert.

Es ist also der Geist des Menschen, der das Gerät durch die rituelle Anwendung in Funktion setzt. Doch der Geist kann immer nur das in Funktion setzen, was das System, bzw. die Geräte im Außen dem Bewusstsein ermöglichen. Deshalb ist Gerät nicht gleich Gerät, denn es beinhaltet auch die technischen Vorstellungen des Entwicklers, wie er glaubt, das etwas sein soll, das heißt die Elektronik im Inneren und die Form im Aussen repräsentiert sein aktuelles Know-how, aber auch die Grenze seiner Erkenntnis.

Ebenso muss eindeutig zwischen Materialwert und Gebrauchswert unterschieden werden, eine Weisheit, die bereits vor über 2500 Jahren im TAO-TE-KING (Laotse soll im 6. Jahrhundert vor Chr gelebt haben. Er gilt als Verfasser des TAO TE KING – Das Heilige Buch vom Weg und von der Tugend. Es umfasst 81 Kapitel und gehört zu den Klassikern der Weltliteratur.), Kapitell 11, niedergeschrieben wurde. Dort lesen wir zum Gebrauch des „Nicht-Seins“, bzw. die Wirksamkeit des Unsichtbaren im Sichtbaren: Ton knetend bildet man Gefäße; doch erst ihr Hohlraum gibt ihnen Brauchbarkeit. So gibt das Stoffliche zwar Eignung, das Unstoffliche aber erst den Wert. Darum:

Was ist, dient zum Besitz. Was nicht ist, dient zum Werk. Über den Erfolg entscheidet somit das Nichtmaterielle, das geistige Konzept im Inneren.

Doch zurück zur klassischen Bioresonanz-Methode, die im Zeitalter der modernen Informations-Technologie (IT) noch mehr an Bedeutung gewinnt, vor allem wegen der Einfachheit der softwaremäßigen Umsetzung des ursprünglich postulierten Prinzips, das hier nochmals dargelegt wird: Pathologische Schwingungen invertieren und fehlende Farblichtinformationen dem Körper hinzufügen. Einfacher geht es nicht. Ihr Begründer, Dr. med. Franz Morell (1921-1990), der die Methode unter dem Namen MORA-Therapie bereits 1977 vorstellte, bemerkte dazu:

Die Inversschaltung ist das zweite Standbein der Mora-Idee, das erste ist die Verwendung der patienteneigenen elektromagnetischen Schwingungen zur Therapie. Beide bilden zusammen die Grundlage von MORA und sind mein geistiges Eigentum. Therapieverfahren, die auf diesen beiden aufbauen, hat es bisher nicht gegeben. Hinzu kommen Farblichtschwingungen, um dem Körper fehlendes Farblicht zuzuführen. (Morell, F. Mora-Therapie, Patienteneigene und Farblicht-Schwingungen, Konzept und Praxis, Seite 39, Heidelberg, 1987.)

Morell ging seinerzeit davon aus, dass die Inversschaltung des MORA-Gerätes den Anstoß zur Heilung bewirkte, doch die nachweisbare Umsetzung des Konzepts in die physikalische Wirklichkeit fand nie statt, die patienteneigenen Schwingungen sind virtuell und nur im Bewusstsein der Anwender und somit materiell nicht greifbar. Die Geräte sind „Pseudomaschinen“, die dem therapeutischen Ritual dienen. Sie sind jedoch unerlässlich für den Anwender der Methode und dienen als materieller Fokus zur Übermittlung einer geistigen Botschaft. (Wer sich im Detail für Ursprung und Hintergründe der Bioresonanz-Therapie interessiert, sei auf den Insider Report des Autors verwiesen).

Mora III

MORA-III Gerät (1985) mit hohem Ritualpotenzial wie es bei Dr. Morell im Einsatz war.

Die Methode ist anwenderbedingt und vollzieht sich in den virtuellen Welten des Bewusstseins. Sie ruht auf drei Säulen:

– patienteneigene Schwingungen (mittels Elektroden erfassen)
– Invertierung der Schwingungen (Verstärkung/Abschwächung)
– Hinzufügen (fehlender) Farblichtschwingungen

Erst später kam die Idee der Separierung von harmonischen und disharmonischen Schwingungen hinzu, die von Ludger Mersmann stammt. Auch dabei handelt es sich um virtuelles, d. h. rein geistiges Geschehen. Nebenbei bemerkt, ob Invertierung oder Separierung, beide Modi bewirken die Freisetzung der Selbstheilungskräfte. Welchem Modus auch immer der Vorzug gegeben wird, mit entscheidend ist grundsätzlich die Absicht (Intention) und die Überzeugungskraft des Therapeuten sowie die Erwartung des Patienten, die im Ritual der Testung und der Behandlung (Regulation) ihren Ausdruck findet.

Der Glaube ist der ausschlaggebende Faktor, ohne den keine Pseudomaschine funktionieren kann.

Wer heute die verschiedenen Bioresonanzgeräte betrachtet, könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass die Methode vor allem nach Design, Farbe und Größe beurteilt wird. Nicht von ungefähr gibt es heute das MORA-NOVA. Das Äußere beeindruckt zwar, signalisiert Kompetenz, doch häufig trügt der Schein. Nicht nur, was damit gemacht werden kann, sondern vor allem das WIE ist von entscheidender Bedeutung. Unter diesen Gesichtspunkten erhebt sich natürlich auch die Frage, ob es überhaupt möglich ist, mit einfacheren Mitteln und unter Berücksichtigung des ursprünglichen Gedankengutes von Morell ein neues modernes Bioresonanz-System zu erstellen. Ein System, das die bisherigen therapeutischen Möglichkeiten der Methode zwar beinhaltet, aber gleichzeitig auch neue Ansätze zulässt, um auf immaterieller Ebene weitere Teilbereiche des Bewusstseins zu erfassen. Dazu gehören in erster Linie eine Analyse des ursprünglichen Bioresonanzkonzeptes, das auf der chinesischen Medizin (erweiterter Akupunkturlehre nach Dr. Voll) fußt und Überlegungen, was sich mit moderner Software realisieren lässt.

Vorweg sei betont, dass es keine definitiven oder allgemein gültige Regeln für die Zuordnung von naturphilosophischen Konzepten oder Symbolwerten zur wissenschaftlichen Realität gibt. Jeder Hersteller ist frei und handelt nach seinem Erkenntnisstand. So ist es auch kein Wunder, dass jeder Hersteller glaubt, nur alleine im Besitz der Wahrheit zu sein. Doch weit gefehlt, denn über die Kraft der Zuschreibung, bzw. der persönlichen Bewertung (Attribution von Eigenschaften) sind Inhalt und Form austauschbar! Dem Bewusstsein kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. So können unterschiedliche Botschaften (Inhalte) mit derselben Form übermittelt werden. Im umgekehrten Sinne kann die gleiche Botschaft mit unterschiedlichen Formen, wie z.B. Pseudomaschinen, die als materielle Repräsentanten fungieren, übermittelt werden.

Die Anwendung der Methode erfolgt im Allgemeinen über rituelle Handlungen, verbunden mit dem Glauben und der Überzeugung des Therapeuten, dass das System den gewünschten Erfolg, bzw. die Freisetzung der Selbstheilungskräfte bewirkt. Nicht zu unterschätzen ist dabei die für Patienten so wichtige Umgebungssuggestion (z.B. das Erscheinungsbild der Praxis).

Abschließend sei hier nochmals betont: Die Bioresonanztherapien und verwandte Systeme, wie z.B. die Radionik, repräsentieren eine „symbolische“ und keine konkrete Physik. Sie ruhen auf einem geistigen und nicht auf einem materiellen Konzept. Grundsätzlich geht es immer um Kommunikation (verbal/nonverbal) sowie um geistbasierte Informationsübermittlung mittels einem Gerät. Wie bereits dargelegt gibt es, für materielle Repräsentanten keine allgemeingültigen Normen der Realisierung und daher ist jeder Hersteller frei und konstruiert sein System nach eigener Vorstellung und eigenem Ermessen.

Die Auswahl an Geräten ist groß und jeder Therapeut entscheidet beim Kauf nach seinem Erkenntnisstand und vorgesehenem Einsatzgebiet. Materiell orientierte Interessenten werden sich vermutlich eher für teure und große Geräte, so genannte „Egobooster“ entscheiden, andere wiederum, die sich selbstsicher fühlen und sich den geistigen Gesetzmäßigkeiten der Methode bewusst sind, dürften sich in erster Linie auf ihre intuitiven Fähigkeiten verlassen und den Geräten weit weniger Bedeutung beimessen. Grundsätzlich spiegelt das zum Einsatz kommende Bioresonanz-System den jeweiligen Bewusstseinsstand des Anwenders wider. Wer zehntausende für wissenschaftlich nicht anerkannte Geräte ausgibt, sollte sich einmal das Zitat von Immanuel Kant (1724-1804) zu Herzen nehmen: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“. (’sapere aude‘ – lateinisches Sprichwort mit der Bedeutung: ‚Wage es, weise zu sein.‘)

Und noch etwas sei bemerkt: Das diagnostische Gespräch mit den Patienten, dem Morell einen hohen Anteil am Heilungserfolg zuschrieb, sollte immer elementarer Bestandteil einer jeden Bioresonanztherapie sein. Die Quintessenz des Gespräches sollte in Form einer Fokus-Formulierung (soweit dies vom System ermöglicht wird) in den Ablauf der Therapie mit einfließen, um optimale Resultate mit der Methode zu erzielen. Die Bioresonanztherapie ist universell einsetzbar und deckt einen breiten Indikationsbereich ab. Jede Krankheit ist einen Versuch wert, bemerkte einst Morell. Sie gehört, ebenso wie die Radionik, trotz mancher Kontroversen zu den Spitzenprodukten der Bewusstseinsmedizin.

Abschließend sei noch ein Zitat des spanischen Kabbalisten ABRAHAM ABULAFIA (1240-1291) erwähnt, das sehr trefflich auch die heutige Situation in der Bioresonanz-Szene charakterisiert:

Die Wahrheit ist, so wie sie allgemein verstanden (geglaubt) wird; was den verborgenen Sinn betrifft, so wird ihn jeder nur nach seinem eigenen Wissensstand begreifen.

©HG 04-02-2016

Autor:
Hermann Grösser
Friedhofstraße 8
79395 Neuenburg a. Rh.

post@hermann-groesser.de
www.hermann-groesser.de

Literatur

  • Christians, F., Bioresonanz kritisch hinterfragt: Eine Analyse von Franz
  • Christians in psychophysik.com, Blogbeitrag zur Forschungslage „Placebo in der Medizin“
  • Christians, F., Bioresonanz-Faszination, Wirkung und Realität, CO´MED 10/2011
  • Christians, F., Bewusstsein und Geist – ihre Beziehung zur Komplementärmedizin, Systemische Orale Medizin 4/2013
  • Edzard, Ernst, Komplementärmedizinische Diagnoseverfahren, Deutsches Ärzteblatt, Jg. 102, Heft 44, 4. November 2005
  • Grösser, H., PSI-Phänomene, Homöopathie und Pseudomaschinen. Interview mit Dr. Dr. W. von Lucadou, CO´MED Fachmagazin 6/98
  • Grösser, H., Aspekte der modernen chinesischen Bioresonanz, Taoistisch-Chinesische Psychokybernetik, HPN/DFA 10/15-12/15
  • Grösser, H., Im Nirvana der Biophysik, Vom Missbrauch etablierter Termini, HP-Volksheilkunde 9/00
  • Grösser, H., Das Vermächtnis der Pseudophysiker, Therapeuten im Banne der elektronischen Magie, Der Heilpraktiker 7/01
  • Grösser, H., Interview mit Kuby, C.; Heilung aus dem Geist, in: „Geist und Gehirn“, CO’MED 01-2002
  • Grösser, H. Alternativmedizin auf dem Prüfstand, Rote Karte für Pseudophysiker, Hp-Volksheilkunde 2/02
  • Grösser, H. Zauberwellen-Wellenzauber, Technomagier ante portas, Hp-Volksheilkunde 9/02
  • Lucadou, Dr. Dr. W. von: Die Magie der Pseudomaschine in: Belschner, J. Galenska, H. Walsch, E. Zunder (Hrsg.): Transpersonale Studien 5, Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg, 2002

Leschs Kosmos – Esoterik und Physik: Zwei Welten auf demselben Planeten
https://www.youtube.com/watch?v=m2EmC94J0Vg
Veröffentlicht am 29.08.2013

Die Wirkung des Nichts: Placebo – Frag den Lesch
https://www.youtube.com/watch?v=gmNwnW5MA68
Veröffentlicht am 23.07.2015

Pseudowissenschaften auf dem Prüfstand / Harald Lesch ZDF
www.youtube.com/watch?v=EeSSY6Dxxv4
Veröffentlicht am 26.12.2013

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