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© 05.2006

Walter Häge
Was wir so alles essen II


Die Suppe lügt - oder: Wie geht man mit dem Unfassbaren um?


"Die Suppe lügt", so heißt der Titel, unter dem Hans-Ulrich Grimm "die schöne neue Welt des Essens"(1) beschreibt.

Eine lesenswerte, kaum zu glaubende Recherche, bei der einem das Blut in den Adern gefrieren könnte.

Was wir Menschen mit uns machen lassen, ist im Grunde genommen nicht vorstellbar. Wir lassen uns das, was Menschsein ausmacht, Stück für Stück wegnehmen, bis wir hilflos und entmündigt mit nichts dastehen. Dazu lassen wir uns noch unser Ehrgefühl und unsere Würde rauben.

Was wir brauchen ist der Widerstand. Nicht das Reden oder gar das Geschrei von Widerstand, wir müssen den Widerstand leben. Dazu braucht es überhaupt keiner Worte, kein Glaubensbekenntnis, keine Ideologie, kein Missionsverhalten irgend einer Art. Wenn ich "nein" handle, trage ich diesen Widerstand weiter, denn das gehandelte "Nein!" ist das "Nein" mit Überzeugungs- und Sprengkraft.

Das gehandelte Nein ist das einzige "Nein", welches unsere Manipulateure fürchten. Der gelebte Widerstand schafft die Veränderung, die eigene Veränderung und die der Welt.

Viele Kämpfer für die Freiheit haben den Mechanismus falsch verstanden und versuchten, das Pferd von hinten aufzuzäumen, indem sie mit lautem Geschrei die Welt verändern wollten. Wir müssen in Massen unser Bewusstsein verändern. Dann verändert sich die Welt von alleine! Vielleicht trägt die Recherche Grimms zu dieser Bewusstseinsveränderung bei, denn die Dimension der ganzen Geschichte geht weit über das reine Aroma-Problem hinaus.

IFF, "Flavors & Fragrances, der Welt größter Hersteller" von Geschmacksstoffen, hat eine eigene Abteilung für Gerüche. Sie bietet "Düfte an, die in Geschäften als Lockstoff dienen und die Kunden zum Kauf animieren sollen." Da Arbeitseifer gefragt ist, werden den Arbeitgebern auch Duftstoffe angeboten, welche die individuelle Arbeitsleistung steigern hilft. Die IFF hat sogar "ein Merkblatt zusammengestellt, das über die Wirkungen...auf die Psyche Auskunft gibt." Die Düfte gelangen in die Klimaanlage und werden so dosiert, dass sie nicht bewusst wahrgenommen werden.

Die Frage ist, was steht hinter dieser ganzen Aroma-Geschichte oder welcher Art ist die vorgeschaltete Steuerungsebene. Warum, um aller Teufel willen, brauchen wir diese Fremdstoffe zu unserer Manipulation und zu der unserer Lebensmittel? Wieso müssen wir Lebensmittel verändern, welche schon Jahrtausende die Menschheit ernähren?

Wir brauchen diese Aromastoffe um einem minder- oder unwertigen Produkt einen vorgetäuschten Wert zu geben. Beispiel: "Das US-Patent Nr. 4,985,261 vom 15. Januar 1991 sichert...eine Erfindung, mit der ein Muskelfleischnahrungsmittel in der Mikrowelle binnen weniger als 600 Sekunden bräunt und, dank eines speziellen Aroma-Puders, auch noch so schmeckt."(2)

Wenn wir die Aromen brauchen, um die "geschmacklosen Rohstoffe aufzuwerten", dann stellt sich die Frage, wieso die seit Jahrhunderten wohlschmeckenden Gewächse plötzlich geschmacklos sind.

In welcher Menge nun kommen nun diese Geschmacksträume in unsere Tüten- oder Dosennahrung? Beispiel Maggi "Rinds-Bouillon": Hier hat "die Firma 2.3 Gramm Rinderfett und mindestens 670 Milligramm Fleischextrakt pro Liter untergebracht." Der Fleischextrakt macht also bedeutend weniger als ein Tausendstel der fertigen Suppenmenge aus. Das kann nun ja wirklich überhaupt nicht schmecken. Die Frage drängt sich auf: Warum wird dieses Tausendstel überhaupt noch beigegeben? Es ginge doch nun ganz und gar ohne diesen kostenträchtigen Aufwand. "Mengenmäßig den größten Anteil nehmen laut Etikett andere Substanzen ein: Jodsalz, Aroma, Geschmacksverstärker (Natriumglutamat, E 631, E 627). Eigentlich ist es vermessen, das Erzeugnis nach jenen winzigen, im Milligrammbereich liegenden Spuren von Fleischextrakt zu taufen.

Eigentlich müsste das Erzeugnis nach jenen wesentlichen Zutaten benannt werden: Jodsalz-Aroma-Geschmacksverstärkerbouillon..."(3)

"Für Geschmacksveränderungen genügen oft unvorstellbar kleine Mengen chemischer Substanzen. Das 2-Acetyl-1-Pyrrolon, das für den Geschmack der Weißbrotkruste verantwortlich ist, wirkt schon in einer Dosis von 70 Millionstel Gramm pro Kilo. Und Menthenthol löst mit nur 0,2 Milliardstel (0,000 000 000 2) Gramm pro Liter den Geschmackseindruck von frischem Grapefruitsaft aus. Und von Filberton, jenem Stoff, der Joghurt beispielsweise nach Haselnüssen schmecken lässt, genügen winzige 5 Milligramm, um eine Million Liter Wasser zu aromatisieren." (4)

Und unser Vorbild Amerika lässt ahnen: Kommen bei uns nur 75% aller verzehrten Lebensmittel aus der Industrieproduktion, so nähert sich Amerika der 100%-Marke. Satte 95% sollen es im Moment sein. "In der Mehrzahl der amerikanischen Mittelstandshaushalte wird schon überhaupt nicht mehr gekocht. Speisen, die am heimischen Herd gekocht werden, hätten in den USA schon einen Platz auf der 'Liste vom Aussterben bedrohter Arten', jubelte das Fachblatt Food Technologie, das Zentralorgan der US-Lebensmittelingenieure".(5)

Wenn wir um unser Leben an der Laserschwelle wissen, dann bekommt der alte Begriff "Nährwert" im Sinne von "Qualitätswert" eine neue, zentrale Bedeutung. Und die Industrie hat nun "ihren ganzen Ehrgeiz darauf gerichtet, den Nutzen aus ihren Produkten zu entfernen: den Nährwert. Patente zuhauf werden eingereicht für Nahrungsmittel, die so überflüssig sind, dass der Körper sie absolut nicht braucht...

'Die imitierten Nahrungsmittel dieser Art sollen keine Speisen mit Ernährungswert sein, sondern sie sollen lediglich das Essvergnügen in unbegrenzten Mengen befriedigen', wie die Firma International Flavors & Fragrances in einer Patentschrift schreibt. (DE 36 38 66 2)."(6)

Und jetzt kommt der "Knaller", der alle "Mache-Dir-die-Welt-untertan-Fetischisten" erregen und die Mechanistenherzen höher schlagen lässt:

"Die Industrialisierung des Geschmacks machte einen alten Menschheitstraum wahr: die Emanzipation von der Natur. Und das gleich in doppelter Weise. Der synthetische Geschmack emanzipiert die Speisen von ihren natürlichen Zwecken im Körper: Sie können völlig folgenlos durchflutschen und hinterlassen dennoch einen Hauch von Eindruck, ein Aroma.

Und sie sind, endlich, emanzipiert von natürlichen Rohstoffen. Der Erdbeerjoghurt simuliert Früchte, die nicht da sind und umgibt uns dennoch mit jenem Hauch, der in der Natur war." (7)

Eine wunderschöne, fast poetische Umschreibung von Hans-Ulrich Grimm, mit der sich Perversion noch schrecklicher darstellen lässt als mit wütenden Worten.

"Wir leben, so eine Studie der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag des Nahrungs-Multis Nestlé, im Zeitalter der 'Künstlichen Natürlichkeit', in der auch die Natur eine Natürlichkeit 'aus zweiter Hand' sei."(8)

Bravo! Wenn das zur Norm wird, dann erklärt man uns für verrückt, getreu einem Spruch des Soziologen und Psychoanalytikers Erich Fromm, der meinte, dass in einer kranken Gesellschaft der Gesunde als verrückt gilt. Und die Krankheit, die wir haben, gibt es auch schon: "Chemophobie".

Ein Phobie ist immer eine irreale Angst (die natürlich real erlebt wird). So wie die einen eine Spinnen- oder Mäusephobie haben - so haben wir eine Phobie vor der Chemie. Nun, wir wissen ja, "Narr-Sein" hat eine erstklassige Tradition, nicht nur in deutschen Landen!

"Narr" in Sachen Aroma bin ich erst, seit ich mich mit diesem Thema beschäftige und ich muss tatsächlich aufpassen, dass sich ob all den Scheußlichkeiten keine tatsächliche Phobie einschleicht, etwa eine "Restaurant-Phobie" oder eine "Supermarkt-Phobie".

In Sachen Margarine habe ich schon lange Zeit eine ganz eindeutige Meinung und ich sage jedem, er möge zumindest lesen, was auf seiner Margarineschachtel draufsteht. Nun scheint es ja tatsächlich so zu kommen, dass ich mit meiner Narrenmeinung mehrheitsfähig zu werden scheine.

Jetzt wird bei der Margarine, wie beim Cholesterin, wohl die große Wende eingeläutet. Ein Industrieerzeugnis, bestenfalls als Nahrungsmittel-Ersatz für Notzeiten tauglich, wird endlich demaskiert:


Herzinfarkt durch Margarine!

Gebetsmühlenartig wird uns seit Jahr und Tag beigebracht, dass Butter ungesund und Margarine gesund sei. Vor allem seien es die ungesättigten Fette, die unsere Gesundheit schützen. Ein "hoher Anteil von mehrfach ungesättigten Fettsäuren" hieß bis heute der Zauberbegriff. Und nun zeigt sich wieder einmal mehr die Fragwürdigkeit unserer Schulwissenschaft, insbesondere, wenn sie einen ganzen Industriezweig stützt. Die neueste Nachricht heißt "Vorsicht: Zu den angeblich so gesunden ungesättigten Fetten gehören auch stark gesundheitsgefährdende - die so genannten Trans-Fettsäuren.

In den USA wird diese Fettart unter Gesundheitspolitikern, Lebensmittelproduzenten und Verbraucherverbänden heftig diskutiert - hierzulande dagegen nur in Expertenkreisen. Anders als in Deutschland geben einige US-Hersteller sogar den Anteil an Trans-Fetten auf ihren Produkten an.

Den ersten Hinweis auf deren gefährliche Eigenschaften lieferten 1993 die "Nurses Health Studies" - eine Gesundheitsstudie unter 85 000 amerikanischen Krankenschwestern: Frauen, die eine Tagesration von vier Löffeln Margarine zu sich nahmen, hatten ein 66 Prozent höheres Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben als solche, die weniger als einmal im Monat Margarine aßen.

Im Gegensatz zu Butter kann Margarine ein Vielfaches an Trans-Fetten enthalten. Deren molekulare Wirkungsweise ist allerdings bis heute nicht entschlüsselt.

Trans-Fette werden, wie ungesättigte Fette auch, im Körper eingelagert oder in Zellmembranen eingebaut. Doch eine Abweichung gibt es.

Chemiker unterscheiden bei ungesättigten Fetten generell zwischen den Cis-Fettsäuren und den Trans-Fettsäuren.

Man kann es mit einem Paar Fingerhandschuhe vergleichen: Beide Handschuhe sind aus dem gleichen Material und haben dieselbe Größe; trotzdem ist es unmöglich, den linken Handschuh über die rechte Hand zu ziehen."(9) Die cis-Fette "springen", wie der Chemiker sagt, "von der cis- in die trans-Konfiguration", sie "schnappen um".

Dieser Strukturunterschied wirkt sich vermutlich fatal aus, indem Trans-Fette die Synthese lebenswichtiger Moleküle hemmen.

"Die medizinische Fachzeitschrift "Artherosclerosis" veröffentlichte 1994 eine Studie, bei der 27 Männer eine Diät mit unterschiedlichen Trans-Fettsäure-Anteilen einhielten. Bei der Gruppe, die am meisten der ungesunden Fette schlucken musste, registrierten die Forscher ein "deutlich atherogenes Lipoprotein-Profil" im Blut. Das heißt: wenige gute und viel schädliche Blutfette, die langfristig koronare Herzkrankheiten verursachen können oder die Bildung von Blutpfropfen verstärken.

"Akut gefährlich sind jedoch erst größere Mengen", erklärt Gerhard Jahreis vom Jenaer Institut für Ernährungsphysiologie. "Derzeit gelten zehn Gramm Trans-Fette pro Tag als kritischer Wert."

Mit einem durchschnittlichen Verbrauch von täglich drei bis vier Gramm liegen die Deutschen unter dem Grenzwert, US-Amerikaner und Niederländer verzehren mehr als das Doppelte. Bei Liebhabern von Pommes und Snacks sind aber auch hier zu Lande zehn Gramm schnell erreicht.

Kartoffel-Chips enthalten etwa 40 Gramm Fett pro 100 Gramm, rund ein Drittel davon kann aus Trans-Fetten bestehen. Anders als etwa beim Cholesterin kann der Hausarzt nicht mit einem einfachen Bluttest die Trans-Fettsäuren bei seinen Patienten bestimmen.

Auf natürliche Weise entstehen Trans-Fette durch Mikroorganismen, die beispielsweise im Pansen von Wiederkäuern Pflanzenfett umbauen. "2 bis 4 Prozent der Butterfette sind solche Trans-Moleküle", sagt Monika Erdmann von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, "sie sind also natürlich und normal". Das Fleisch von Kühen enthält etwa 3 Prozent Trans-Fettsäuren, das von Schweinen und Geflügel deutlich weniger. Pflanzen enthalten bis auf wenige Ausnahmen nur die gesunden Cis-Fettsäuren.

Anders ist dies bei Fertigprodukten wie Chips, Nussnougatcremes oder Tütensuppen: Die pflanzlichen Fette mutieren dort durch die industrielle Härtung zum Gesundheitsrisiko. Für die Margarineproduktion etwa benutzen die Hersteller zwar gesunde Pflanzenöle - um die Flüssigkeit streichfähig zu bekommen, wird sie jedoch durch Dehydrierung verfestigt. In chemischen Umwandlungsprozessen entstehen dann Trans-Fettsäuren. Gehärtete Fette machen Instant-Suppen und -Soßen leichter verarbeitbar und vor allem besser haltbar. "Auch Blätterteig ist oft reich an Trans-Fetten", erläutert Monika Erdmann.

Unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten wirken sich sogar direkt auf die Muttermilch aus: Bei deutschen Frauen machen Trans-Fette 4,4 Prozent des Milchfettes aus, bei kanadischen Müttern wurde das Doppelte gemessen. "Gerade bei Säuglingen kann die körperliche und geistige Entwicklung gehemmt werden, wenn zu viele Trans-Fette die normale Funktion der Zellmembran stören", warnt Rainer Schubert vom Institut für Ernährungsphysiologie in Jena.

Trans-Fette können sogar die Plazenta passieren und die Hirnentwicklung des Fötus hemmen, entdeckte der Münchener Kinderarzt Berthold Koletzko.

Einige Margarinehersteller haben mittlerweile den Anteil an Trans-Fetten reduziert. Um die Streichfähigkeit der Masse dennoch zu erhalten, wurde dafür der Anteil an gesättigten Fettsäuren auf 35% erhöht - der Teufel also mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Brat- und Backfette enthalten auch heute noch bis zu einem Drittel Trans-Fette - die finden sich dann zum Beispiel in Pommes wieder. "Schwangere, Stillende und Herzpatienten sollten Frittiertes daher generell meiden...", empfiehlt Ernährungsphysiologe Gerhard Jahreis.

Eine Deklarationspflicht für Trans-Fettsäuren gibt es noch nicht. In den USA, aber auch in Deutschland belassen es die meisten Hersteller bei der Angabe des Anteils der mehrfach ungesättigten Fettsäuren. "Genau das aber führt den Käufer in die Irre", sagt Gerhard Jahreis, "besser wäre es, die ungesunden Trans-Fette den ungesunden gesättigten Fettsäuren zuzurechnen".(10)

Aber, so werden die Industrie und die zuständigen Ministerien urteilen, das Zuschlagen der Trans-Fette zu den ungesunden gesättigten Fettsäuren würde nur den Verbraucher verwirren und das Vertrauen in die Produkte untergraben. Und zudem stimmt die Deklaration. Die Trans-Fette gehören nun mal zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

Wie nahe liegen doch Dichtung und Wahrheit, Wahrheit und Lüge, Lüge und bewusst verdrehte Manipulation zusammen!

Es muss erst einmal in unseren Kopf, dass selbst gedruckte Deklarationen irreführend oder gar gänzlich falsch sein können. "Leider wird die Bedeutung der Zutatenliste immer noch überschätzt.

Nur wenige wissen, dass die meisten der verwendeten Feinchemikalien hierzulande gar nicht deklariert werden müssen. Im Prinzip gilt die Regelung: Je stärker ein Produkt verarbeitet ist, je mehr Zusatzstoffe zu seiner Produktion erforderlich waren, desto weniger muss davon später draufstehen."(11)


Diese Aussagen sind es wert, noch einmal wiederholt zu werden. Es könnte ja sein, dass Sie eben gerade abgelenkt waren oder dass Sie denken, Sie hätten etwas falsch verstanden: "Je stärker ein Produkt verarbeitet ist, je mehr Zusatzstoffe zu seiner Produktion erforderlich waren, desto weniger muss davon später draufstehen". Wer sagt das und wer will das so?

"So will es die deutsche Lebensmittel-Kennzeichnungs-Verordnung. Praktisch alle Verarbeitungshilfen sind von der Deklaration freigestellt, egal wie viel davon im fertigen Produkt noch vorhanden ist. Zugleich dürfen die zahlreichen Verfahrensschritte verschwiegen werden, die den Wert der Lebensmittel manchmal erhöhen, häufig aber mindern. Kein Wort von Mikrowellen, Umkehrosmose, Extrusion und wie die allgegenwärtigen Techniken noch heißen mögen. In Deutschland ist für neuartige Verfahren wie das Ohmsche Konservieren nicht einmal eine Zulassung, geschweige denn Gesundheitsprüfung erforderlich.

So wird den Kunden die tatsächliche Beschaffenheit seiner Nahrung weitgehend verschleiert. Oft kennt nicht einmal der Hersteller die Qualität.

Andersherum gefragt, kann man dann wenigstens die deklarierten Stoffe der Zutatenliste für bare Münze nehmen? Nein. Wer 'Frucht' deklariert, darf stattdessen Fruchtpulver mit Wasser verrühren, wo 'Honig' draufsteht, kann Honigpulver drin sein, das mit Zucker (Maltodextrin) versetzt wurde.

Bei den Zusatzstoffen ist die Lage noch verworrener: Statt der aufgeführten Namen - sollten sie überhaupt deklarationspflichtig sein - können andere, verwandte Stoffe zugesetzt werden.

Was bleibt für den Verbraucher? Doch nur der banale Hinweis: So wenig Fertigprodukte wie möglich - gleichgültig, was auf der Zutatenliste steht. Glücklich, wer dies in unserem heutigen arbeitsteiligen Leben zu realisieren vermag. Das mag eine bittere Wahrheit sein, aber sie ist sicher fairer als die stete Selbsttäuschung, der Verbraucher müsse sich "nur" informieren, um bewusst einkaufen zu können. Wer als Allergiker blind der Zutatenliste vertraut, kann seine Gesundheit nachhaltig gefährden."(12)


Und immer wieder Natur? Natur virtuell!


Ja, "der Begriff 'Natur' hat in Konsumentenohren einen 'sehr positiven Beiklang', schrieb das Fachorgan The European Food & Dring Review im Herbst 1996. Alles was nach 'künstlich' klingt, ist hingegen von Schaden für die Firmen, die etwas verkaufen wollen: Das 'hat negative Auswirkungen auf die Akzeptanz des Produktes beim Käufer', wie das Blatt weiß."(13)

Mit der Natur aber hat die Lebensmittel-Industrie so ihre Probleme. "Denn die rohe, unverfälschte Natur liefert Dinge, die für die maschinelle Verarbeitung vom Schöpfer nur ungenügend vorbereitet worden sind. Eine normale Zwiebel beispielsweise, am heimischen Herd Grundstoff etwa für Suppen und Saucen, stellt die Industrie vor ziemliche Probleme, sagt einer der Fachleute der Geschmacksfabrik Haarmann & Reimer: 'Mit so einer Zwiebel kann doch eine Firma wie Knorr gar nicht arbeiten.' Sie ist von wechselnder Größe, je nach Ursprungsort und Klima von variablem Geschmack, zudem verderblich. Lauter natürliche Eigenschaften, die den industriellen Verarbeitungsprozess stören.

Die Geschmacksfabrikanten haben die unzureichende Natur ein bisschen korrigiert. Optimiert, ein paar Mängel ausgeglichen. Dragoco beispielsweise kann jetzt einen solchen Käsegeschmack anbieten. Der entspricht zunächst einmal den Konsumentenwünschen, erscheint auf dem Etikett so, wie die Käufer das gerne haben, verkündet freudig der Dragoco-Prospekt: 'Die Deklaration ist denkbar günstig: In den meisten Ländern und Anwendungsgebieten ist die Deklaration 'natürlich'.'

Doch während echter Käse sich während seines Daseins verändert, zerläuft, schimmelt, irgendwann streng schmeckt, bleibt Dragocos Käsegeschmack immer gleich: 'Unsere natürlichen Käsearomen haben eine standardisierte, stabile geschmackliche Qualität. Sie reifen nicht nach, selbst nach mehrmonatiger Lagerung verändern sie nicht ihren Charakter.'"(14)

Ist das nicht toll! Die Tomate, die zwanzig Tage frisch bleibt wie gerade gepflückt, die kannten Sie schon. Aber einen "Mehrmonatskäse", den hatten Sie noch nicht? Nein? Jenes "Gummiding" in seiner wunderbar weiß-flockigen Kruste, das sich dank dieser selbst auf einem Heizkörper nicht verändert, solange man diese Kruste nicht anschneidet. Macht man dies unvorsichtigerweise, dann läuft das Käseding irgendwann einfach aus und das Krustengerüst bleibt stehen.

"Das ist eine ganz neue Natur, in der es keinen Verfall gibt, kein Sterben - und daher auch kein Leben. Für diese neue, virtuelle Natur ist der neue, virtuelle Käse von Dragoco gleichsam maßgeschneidert: 'Käseimitate gewinnen in vielen Märkten an Bedeutung', so weiß der Prospekt: 'Ihnen den typischen und ausgereiften Geschmack eines natürlichen Käses zu geben, ist mit diesen Aromen möglich.'

Diese neue Natur, die künstliche Natürlichkeit, ist die Welt, in der die Etikettendichter schon leben. Diese Welt hat, wie seit jeher in der Dichtung, gewisse Berührungspunkte mit der realen Welt." (15)


Was das Tierfutter mit uns zu tun hat - oder:
Antibiotika usw. satt


Aus der Patentschrift des Patentes Nummer 00 43 48 6 A 2, angemeldet und beziehbar beim Europäischen Patentamt in München: "'Tiere, insbesondere Haustiere, bevorzugen bestimmte Nahrungsmittel, wobei das Aroma eine ausschlaggebende Rolle spielt. Aus diesem Grunde kommt der Aromatisierung von Tierfutter eine besondere Bedeutung zu.'"(16) Alle Untersuchungen bestätigen, dass tierischer Aromafraß, genau wie menschlicher, besonders gut schmeckt. Und weit auseinander sind die Qualitätsstufen ja nicht - wie weit, das ist eine Frage der Definition.

Der Traum von "guten Tierfutter" ist ein Albtraum, gemessen an der hehren Motivation des Käufers, der mit seinen Leckerdöschen dem lieben Vierbeiner eine besondere Freude machen will. "Herrchen und Frauchen, die Hunde und Katzen hätscheln, wähnen sich gemeinhin fernab der bösen Welt der industriellen Quälzucht. Sie kaufen teure Kleinstportionen von liebevoll zubereiteten Leckereien für ihre Liebsten - und wollen kaum zur Kenntnis nehmen, dass sie von den gleichen Produzenten beziehen, die auch die Mastmittel für die geknechteten Massenviecher liefern. Sie wähnen sich in einer anderen, tierfreundlichen Welt - und bewegen sich doch im gleichen Kosmos artwidrigen Umgangs mit der Kreatur.

Und oft verfüttern sie an ihre vierbeinigen Lieblinge just den Müll, der sonst nicht mehr zu entsorgen ist." (17)
Wussten Sie, dass Katzen BSE bekommen können, weil die Abfallteile von BSE-verdächtigen Tieren zu Tiernahrung verarbeitet wurde? Erst im Herbst 1996 wurde von der englischen Regierung eine Anweisung erlassen, dass Haustierfutter getrennt von anderem Viehfutter zu produzieren sei. Der Mikrobiologe Martyn Jones, gleichzeitig Labour-Abgeordneter soll gesagt haben: "Dieses Zeug ist so gefährlich, dass man nicht einmal die Genehmigung hat, es zu vergraben. Stattdessen wird man es los, indem man es an die Haustierfutter-Industrie verkauft":(18)

Das ist überhaupt der Entsorgungs-Gedanke: Müll ordentlich so aufarbeiten, dass durch die entsprechenden Bindemittel die streichfähige Konsistenz entsteht. Dann ein ansprechender Farbstoff und: 'Vanille-Schoko-Geschmack Marke FLAVODAN TM SW -794' dazu. Wenn die Schweine es so mögen, dann sicher auch unser Kätzchen! Oder nehmen wir für dieses nicht lieber 'FLAVODAN TM MC - 147': Sahne?, oder: VODAN TM SB - 185: Erdbeeren? Was hätten wir noch? Fürs Pferd hat Bell Flavor & Fragrances 'Heu & Kraut', für die Katze sogar, ein echter Duft der Natur: 'Maus' und für die Hühner - na, man ahnt es schon, den Geschmacks-Typ 'Regenwurm'.

Bei letzterem fragt man sich natürlich, wie konnten die Chemiker dieses Geschmackserlebnis vortesten. Aßen sie selbst, sozusagen im Dienste der Wissenschaft, herzhafte Muskelstücke vom Wurm?

Die Idee vom bio - Müll ist natürlich kein Witz - die Wirklichkeit holt den Witz ein und macht ihn zum Aber-Witz: Ganze Forschergruppen wühlen schon im Müll und wollen fündig werden. An Gaumen kitzelnde Plastikverwertung wird sicher auch schon hinter vorgehaltener Hand gedacht, doch so hart soll nun doch nicht begonnen werden. Erst einmal ganz harmlos: "Die europäische Union hat das Projekt 'Abfallfreie Lebensmittelwirtschaft' ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Unternehmens forscht etwa der Lebensmitteltechnologe Benno KUNZ an der Universität Bonn nach Möglichkeiten zur Verwertung von Pressrückständen aus der Produktion von Karotten- und anderen Gemüsesäften. Über 100 000 Tonnen dieser Reste wandern allein in Deutschland alljährlich auf den Müll. 'Zu schade zum Wegwerfen', findet Abfallverwerter Kunz. Auch 'Rübenschnitzel, Kartoffelnasspülpe, Kleie oder Kakaoschalen' könnten, meint Kunz, eigentlich noch verspeist werden, wenn sie in ansprechender Form dargeboten würden. Der Bio-Müll könnte beispielsweise getrocknet, gemahlen, ein bisschen aufbereitet und handelsüblichen Fruchtsäften, Milchprodukten und Backwaren beigemengt werden. Auch Brot ließ sich länger frisch halten, Joghurt bekäme eine harmonische Note, wenn der Abfall ein bisschen mit Milchsäurebakterien angesetzt würde.

Der besondere Clou: die preisgünstigen Zutaten verschaffen dem Körper allerlei Wohltaten, die er ohnehin dringend braucht, Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien. 'Gesundheit aus der Mülltonne', gewissermaßen, wie das Magazin Geo im November 1996 schrieb.(19)

Wir merken die Angleichung von allen Futterarten, seien sie für Tier oder Mensch bestimmt?

Uns wird langsam klar, dass es in einer Zeit, in der die halbe Menschheit hungert und Abermillionen Menschen elendiglich sterben müssen, unsere Technologie in der Lage ist, aus fast jedem beliebigen Rohstoff "nahezu jedes gewünschte Nahrungsmittel" zu erzeugen - das so schmeckt wie das Original.

"Diät- und Gesundheitsprodukte" sind für unsere lieben Freunde, so sie nicht unseren Teller als Endstation haben, die logische Folge ihres menschenähnlichen Verhaltens. Aber, Gott sei Dank, es gibt zum Beispiel das Trockenfutter 'Bont light' für Ihren Hund, die "Multivitamin-Tropfen Nager" für Ihre Ratte und eine "Multivitaminpaste" für das Kätzchen. "Hair Repair" hilft dem Fell zu glänzen und senkt den oft zu hohen Hunde-Cholestrinspiegel.

Versuchen Sie einmal eine "Zwischendurch-Mahlzeit. "Fürs Tier darf es etwas teurer sein: Die 200-Gramm-Packung Müsli-Snack der Marke Frolic-Cornaro ist doppelt so teuer wie das Pausensnack-Pendant fürs Herrchen." (20)

Haben Sie den Verdacht, dass Ihre Katze, wie Sie selbst, an Allergien leidet? Dann sollten Sie, Verzeihung, Ihre Katze, einmal das "Animonda Sensitive cat" probieren. Es klingt wie direkt aus der Apotheke.

Oder entscheiden Sie sich für "'Vollkost für ernährungssensible, zu allergischen Reaktionen neigenden Katzen', erhältlich in den 'aktuellen Geschmacksrichtungen Lamm und Reis sowie Pute und Reis'." (21) Am Schluss dann, bevor Ihnen, mit Verlaub und ganz unter uns, das Kotzen kommt, nehmen Sie von der Firma Trofizoon die "Verdauungshilfe" für eine gesunde Darmflora!


Und was sich beim Schoßtierfutter breit macht, ist beim Massentierfutter schon lange üblich: Das oft dem Menschenfutter angeglichene Geschmackserlebnis, siehe Typ 'Erdbeeren mit Schlagsahne' für die Ferkel.

"So bekommen unsere Mitgeschöpfe, die ja oft genug in dunklen Ställen, auf rutschigen Böden oder gar in kleinsten Käfigen vegetieren müssen, eine dumpfe Ahnung von den Gaumenfreuden, die ihre Ahnen in der Natur genossen und...vererbt haben." (22)

Handfeste Gründe gibt es für diesen Geschmacksstoff-Zusatz noch mehrere: Ohne diesen künstlichen Geschmack würden viele Tiere die Futteraufnahme verweigern. Der Dreck ist 'ohne' nicht fressbar. Die Firma Agrimerica aus USA wirbt wörtlich damit, dass ihre Kunstgeschmäcker den "anrüchigen Geschmack von billigen Futterrationen effektiv maskieren". (23)

Die Dänische 'Duftfutter-Firma' Danisco hat zur Beglückung aller Tierzüchter schon "22 Filialen rund um den Globus: überall in Europa, zudem in Argentinien, Brasilien, Chile, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko und den USA. Kein Schwein der Welt muss auf sein aromatisches Soja-Fischmehl-Frühstück verzichten." (24)

Der nächste, noch handfestere Grund sollte uns Menschen, die diese Tiere nun mal essen, erheblich berühren: Unglaubliche Mengen an ekelhaft schmeckenden Arzneien müssen diese Tiere ja fressen, damit sie noch einigermaßen lebendig ihren Gnaden-Stromstoß bekommen. Das weiß natürlich auch die Firma Bell Flavors & Fragrances, wenn sie schreibt, die Tiere " haben ein Problem mit der Annahme einer Medizin, wenn diese ohne ein überdeckendes Aroma verabreicht wird". (25)


Die drohenden Schatten nähern sich uns nicht nur rapide, sie haben uns bereits erreicht: Die Schlachttiere stehen direkt vor uns in der Nahrungskette. Wir wissen dank SCHRÖDINGER und POPP, was wir essen, nämlich energetisch verpackte Information. Ein Stück Fleisch, solcherart erzeugt, muss zumindest Teile von negativer Information enthalten. Und dann der Antibiotika-Hammer: "Antibiotika sind überall. Mittlerweile gar dort, wo sie keiner vermutet. Und sie kommen immer näher, rücken ins Wohnzimmer vor. Allerdings inkognito. Denn die Futterindustrie produziert in derartigen Mengen, dass offenbar bisweilen der Überblick verloren geht, für welchen Napf welches Produkt bestimmt ist." (26)


Zum Thema Fisch


Fische, so meinen noch viele Zeitgenossen, kämen irgendwo aus Seen oder werden aus dem großen, freien Meer gefischt. Das gibt es natürlich auch noch, aber rechtzeitig vor dem großen Aussterben unserer Lieblings-Fischarten steuert die Industrie dagegen. Nicht etwa dadurch, dass die Lebensräume unserer Fische gesichert würden. Um Gottes willen nein, damit lässt sich ja nicht das Schwarze unter dem Fingernagel verdienen! Die 'Massentierhaltung Fisch' ist angesagt:

"Noch in den entferntesten Weltgegenden werden die Fische in Massen zusammengepfercht und mit einem Futtercocktail traktiert, der wohl nur mit starken Geschmacksmasken erträglich ist. Denn die Fische sind, ebenso wie die Viecher im Massenstall, ständig krankheitsbedroht. Selbst im Pazifik vor der chilenischen Küste werden Lachse deshalb, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) im Dezember 1996 berichtete, mit einem Cocktail von Antibiotika behandelt: Amoxicillin, Sulfamerazin, Nifurpirinol, Erythromycin, Chlortetracyclin. Nur so kann der Lachs, der in der Massenzucht zum 'Schwein des Meeres' (FAZ) mutiert ist, vor Parasiten und Gebrechen geschützt werden. Vor der Furunculosis etwa, oder vor der Seelaus, die sich an der Haut des Lachses einnistet, das Gewebe zerstört und sich laut FAZ 'bei Käfighaltung ins Unerträgliche vermehren kann'...

Die Lachsmäster im Vereinigten Königreich sind daher auf ein Mittel verfallen, das für diesen Zweck eigentlich gar nicht vorgesehen ist: Ivermectin. Es wirkt prima: Ins Fischfutter gegeben, läßt es die Läuse ganz einfach vom Lachsrücken fallen. Dass auf der Packung vermerkt ist, das Mittel dürfe keineswegs in die Nähe von Wasserläufen gelangen, da es 'aquatische Organismen schädigen' kann, kümmert die Quälfischer offenbar nicht: Nach einem 1996 erschienen Bericht des Wissenschaftsblattes New Scientist haben britische Veterinäre in den drei Jahren zuvor in zehn Prozent der verkauften Lachse Ivermectin-Spuren entdeckt."(27)


Auch Hormone, wir haben es so oft lesen müssen, werden zur Tiermast missbraucht. Es sind hauptsächlich die Wirkstoffe der Antibabypillen, die Östrogene und die Gestagene als weibliche und die Androgene als männliche Sexualhormone. Den Tiermästern gefällt genau das, was den Frauen bei der Einnahme ihrer 'Pille' solchen Kummer macht: die Gewichtszunahme. Gängige Tiermast-Präparate haben die Östrogendosis von mehreren hundert Antibabypillen.

Beliebt sind als verbotene Futterbeigaben die Thyreostatika, die Schilddrüsenhemmer. Mit täglichen Zugaben von bis zu 5 Gramm lassen sich die Gewichtszunahmen der Tiere um 30 bis 100% steigern! Besonders gefährlich sind diese Schiddrüsenhemmer dann, wenn die Beigabe nicht in einer angemessenen Frist vor der Schlachtung abgesetzt wird: "Dr. Holger Herbrüggen von der Veterinärmedizinischen Universität Wien 1983: 'Diese Effekte kommen vor allem dann zum Tragen, wenn die Absetzfristen vor der Schlachtung kurz sind. Dies bedeutet eine besondere Gefahr hinsichtlich möglicher Rückstände bei der zu erwartenden unkritischen Anwendung dieser Substanzen.' Herbrüggen verweist darauf, dass bei Kindern 'die Reifung der wachsenden Hirnrinde' gestört wird, bei Erwachsenen können Thyreostatika zu 'psychischen Veränderungen wie Störung der Denkfähigkeit' führen. Als bedeutsamste Nebenwirkung gilt die hohe Zahl der Allergien, insbesondere 'die unter Umständen tödlich endende Agranulozytose, eine schwere Blutkrankheit'." (28)

Das Problem der nervösen Schweine, die oft ihren Weg in den Schlachthof nicht überleben würden, wird mit Beta-Blockern gelöst. Die Injektion erfolgt kurz vor dem Verladen. "Professor Großklaus (Bundesgesundheitsamt)" spricht davon, dass "Schweine 'im Krankenbett' zur Schlachtung" kommen. Die Schlachtung erfolgt in der Praxis ohne Rücksicht auf Wartezeiten binnen vier Stunden nach der Injektion, so dass die Schweine dabei 'noch unter der Auswirkung der Arzneimittel ' stehen. Der vollständige Abbau würde im lebenden Organismus mehrere Tage erfordern. Vor allem an der Injektionsstelle werden 'sehr hohe Rückstandsmengen' gefunden. (2 S. 39f) Jedenfalls scheinen die Beta-Rezeptoren-Blocker, bei Menschen gegen Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und Angina pectoris eingesetzt, genau das Richtige zu sein. "Damit hofft man nicht nur dem Herztod vorzubeugen, sondern auch Verschlechterungen der Fleischqualität empfindlicher Schweine zu verhindern. Kontrollen sind ein äußerst seltenes Ereignis." (29)

Wenn wir das Ganze weiter versuchen, in einer sachlichen Form vorzutragen, dann klingt dies so: "Die Probleme kamen mit der Intensivtierhaltung. Durch die Züchtung widernatürlicher Fleischberge, denen die modernen Haltungsform die letzte Möglichkeit nahm, Abwehrkräfte zu entwickeln, wurden die Tiere hoch anfällig und erkranken heute schon bei geringstem Anlass. Zusätzlich wird der Stall, wie der Fachausdruck heißt, 'optimal' belegt. Und das bedeutet: so viele Tiere in der Box wie nur irgend möglich. So lassen sich zum einen mehr Schweine mästen und zum anderen können sie nicht mehr herumlaufen - denn Bewegung macht bekanntlich schlank. Unter den eingepferchten Tieren breitet sich natürlich jede Infektion binnen kürzester Zeit aus, was schließlich einen erheblichen Verlust für den Mäster bedeutet. Deshalb wurde die problematische Intensiv- und Massentierhaltung erst durch den Einsatz von Medikamenten wirtschaftlich, die den Ausbruch von Krankheiten von vornherein verhindern.

Als geeignet hierfür erwiesen sich die sogenannten Antibiotika, die Bakterien abtöten oder ihr Wachstum hemmen.

Doch das ist noch nicht alles. Antibiotika hemmen nicht nur die Bakterien, sondern fördern zugleich das Wachstum von Hühnchen, Kälbern und Schweinen. Und mit dieser Entdeckung begann der massive Einsatz von Antibiotika zu Fütterungszwecken. Heute wird schätzungsweise die Hälfte der gesamten Weltproduktion an Antibiotika an Tiere verspritzt, implantiert undverfüttert....

Die Vorteile wirken sich vor allem bei minderwertigem, sprich billigerem Futter aus: Mineralstoff-, Vitamin- und Eiweißmangel können damit verschleiert werden. Bei Geflügel wird zudem die Legeleistung erhöht und, durch einen Übergang ('Carry-over') der Antibiotika in die Eier, auch das Wachstum der ausgeschlüpften Küken gesteigert.

Und noch ein weiterer Vorteil für den Mäster verdient Erwähnung, auch wenn er erst nach dem Schlachten zur Geltung kommt: Krankheitserreger wie zum Beispiel Salmonellen werden im Fleisch maskiert, das heißt 'so weit in ihrer Vermehrungsfähigkeit eingeschränkt..., dass sie dem Untersucher entgehen'." (30)

Neben der Antibiotika werden auch Chemikalien ins Tierfutter gegeben, die das Wachstum stimulieren, die sogenannten Wachstumsförderer Carbadox, Nitrovin und Olaquindox



Neben den Hormonen und den Antibiotika gibt es noch eine dritte große Gruppe der Tiermast-Hilfen, die Psychopharmaka. Von "normalen" Beruhigungsmittel über Tranquilizer bis hin zu Neuroleptika, die beim Menschen zur Schizophrenie-Behandlung eingesetzt werden, reicht die Liste.

Deshalb ist das Essen von Leber und Nieren für uns zum Harakiri-Spiel geworden. Vor einigen Jahren noch war es der Schwermetallanteil in den Innereien, der uns den Appetit verdarb, heute kommen die Belastungen durch die erwähnten Arzneimittel dazu. Die Rückstände in Leber, auch von überdosierten Vitaminen, können beim Menschen Missbildungen hervorrufen.

Schweine sind muntere, gesellige Tiere mit großer Kommunikationslust. Sie sind intelligent, mindestens so wie unsere Hunde-Freunde. Psychopharmaka lähmen sie und vergrößern dadurch den Appetit, oft ins Unermessliche. Das ruhig gestellte Tier ohne Sonne, ohne Platz, ohne Kommunikation frisst und frisst und frisst.

"Extremer Fleischreichtum, Schnellwüchsigkeit und ein schwacher Kreislauf sind unmittelbar mit einer erhöhten Stressempfindlichkeit gekoppelt, so dass selbst 'minimale Belastungen, wie sie beim Transport zur Schlachtstätte unumgänglich sind, zwangsläufig zu einer blassen, weichen, wässrigen Beschaffenheit des Fleisches' führen müssen. Der Fachmann spricht dann von PSE-Fleisch (pale - soft - exudative = bleich - weich - wasserreich). Sein Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen ist vermindert, seine Verarbeitung beeinträchtigt. Es kommt zu erheblichen Verlusten beim Pökeln und Räuchern. Deshalb gelangt diese miserable Fleischqualität weniger in die Wurstfabrik, sondern - oftmals als günstiges Sonderangebot - direkt an den Endverbraucher...

Mindestens ein Drittel aller Schweineschlachtkörper ist mit diesen Mängeln behaftet. Professor Bethcke, Münchener Schlachthofdirektor: 'Wenn alles PSE-Fleisch beanstandet würde, läge die Beanstandungsrate bei 10 Millionen Schweinen im Jahr' - ein Verlust, der 'volkswirtschaftlich nicht tragbar' wäre...

Kein Blatt vor den Mund nimmt auch Professor Sommer. Seiner Erfahrung nach haben 'die meisten auf den Markt kommenden Schweine - wenn man das Fleischbeschaugesetz streng auslegt - minderwertiges Fleisch. Trotzdem wird es 'dem Verbraucher als vollwertiges Nahrungsmittel angeboten'... (32)


Februar 1998: Synercid, Virginiamycin & Co - tödliche Gefahr für den Menschen?

"Fleischtierzüchter verfüttern Antibiotika, weil sie dadurch die Mastzeiten von Rindern, Schweinen und Geflügel um 4 bis 5 Prozent verkürzen können: Schweine, die normalerweise nach fünf bis sechs Monaten schlachtreif sind, machen dank Antibiotika weniger Infekte durch und werden so etwa eine Woche früher schlachtreif." (33)


"Es war nicht gerade der Empfang, den man einem 'Retter' bereitet. Noch vor wenigen Jahren hätten die Fachleute der US-Arzneimittelbehörde FDA den Zulassungsantrag für das neue Antibiotikum Synercid vielleicht sogar ganz abgelehnt, den ihnen der Pharmakonzern Rhone-Poulonc Rorer in der vergangenen Woche präsentierte. Doch die Zeiten haben sich geändert. Synercid verspricht gegen Erreger zu wirken, gegen die alle anderen Antibiotika nichts mehr ausrichten können. Es besteht dringender Bedarf für das Medikament - auch wenn derzeit weder seine Erfolgsquote noch seine Nebenwirkungsrate genau benannt werden können.

Die Nachfrage für Mittel wie Synercid wird rasch steigen, sagen Seuchenexperten voraus: In den vergangenen Jahren wurden immer mehr und immer gefährlichere Bakterienstämme entdeckt, denen die meisten Antibiotika nichts anhaben können, weil sie in ihrem Erbgut Abwehrkräfte gegen diese ehemaligen Wunderwaffen der Medizin gespeichert haben. Die reichen sie nicht nur an ihre unmittelbaren Nachkommen weiter, sondern in Teilen auch an andere Bakterienstämme, die diesen Überlebensvorteil sofort ins eigene Erbgut integrieren. So entstehen 'multiresistente' Keime, die aus einstmals einfachen Infektionskrankheiten tödliche Epidemien machen.

Die Schlupflöcher für solche Resistenzentwicklungen taten sich früher vor allem durch unsachgemäßen Antibiotikaeinsatz in der Humanmedizin auf. Doch nun kommt eine zweite, möglicherweise unterschätzte Gefahrenquelle hinzu: die Massentierhaltung der Schweine- und Rinderzucht. Dort werden einige Keimtöter, die ursprünglich nur akute Infektionen bekämpfen sollten, quasi prophylaktisch als 'Masthilfe' eingesetzt - in Mengen, die den Verbrauch in der Humanmedizin 'um das 100- bis 1000-fache übersteigen', wie Reinhard Kurth kritisiert, Leiter des Robert-Koch-Instituts (RKI) und oberster Seuchenbekämpfer.

Etwa ein halbes Dutzend neuer Antibiotika sollen den Vorsprung der Heilkunde vor der Resistenzentwicklung der Keime wenigstens aufrechterhalten. Benötigt werden die Mittel fast ausschließlich in Krankenhäusern. In Deutschland kommt es dort nach Schätzungen des RKI jährlich zu etwa 500 000 bis 800 000 Infektionen mit Bakterien, die bei Gesunden harmlose Bewohner von Haut und Darm sind.

Bei geschwächten Klinikpatienten, die unter meist schweren Grundkrankheiten und aggressiven Therapien leiden, können diese Erreger Wundinfektionen, Lungenentzündungen oder sogar lebensgefährliche 'Blutvergiftungen' hervorrufen.

Noch lassen sich die Mehrzahl dieser Infektionen mit bereits eingeführten Antibiotika behandeln. Doch machen etwa die so genannten Staphylokokken ernsthafte Sorgen, die alleine rund ein Viertel der Klinik-Infektionen verursachen. Etwa 8 Prozent, in den USA sogar 20 bis 30 Prozent dieser Fälle gehen auf 'multiresistente' Stämme der kugelförmigen Keime zurück, gegen die von mehr als 100 zugelassenen Antibiotika nur noch ein einziges hilft: Vancomycin.

Seit Anfang der 90er Jahre treten nun jedoch vermehrt Fälle von Infektionen mit so genannten Enterokokken auf, die eben gegen das wichtige Vancomycin resistent sind: 1995 hatten schon 4 Prozent der Enterokokken-Stämme aus deutschen Kliniken diese Eigenschaft, 1996 verursachten diese Keime in mehreren deutschen Krankenhäusern Blutvergiftungen bei fünf leukämiekranken Kindern - überlebt hat keines.

Wenn nun die Enterokokken ihre Widerstandskraft an die Staphylokokken weitergeben, dann versagt auch die letzte Waffe. Aus dem Ausland gibt es schon einzelne Hinweise auf solche Stämme.

Wolfgang Witte, Mikrobiologe am RKI, hat untersucht, woher die Vancomycin-Resistenz der Enerokokken stammt: Seine Spuren führen in die Tiermast: Dort wurde Avoparcin, ein chemisch naher Verwandter zu Vancomycin, tonnenweise als 'Leistungsförderer' verfüttert. Betrug etwa 1994 der dänische Jahresverbrauch von Vancomycin in der Humanmedizin 24 Kilo, wurden an dänisches Mastvieh im selben Zeitraum 24 Tonnen Avoparcin verfüttert. In einer Studie hatte Witte schon 1994 bei 12 Prozent aller untersuchten Supermarkt-Kunden dieselben vancomycinresistenten Enterokokken gefunden, die er damals in jedem im Handel gekauften Geflügel und in Schweinemett nachweisen konnte....

In Deutschland wurde Avoparcin als 'Leistungsförderer' in der Tiermast Anfang 1996, im Rest der EU 1997 verboten. Prompt ging die Verbreitung resistenter Keime zurück - sowohl bei Fleischwaren wie im untersuchten menschlichen Gedärm.

Die Hersteller der 'Leistungsförderer' halten das Verbot jedoch für ungerechtfertigt. 'Bislang ist in keinem Fall bewiesen worden, dass eine im Krankenhaus aufgetretene Antibiotika-Resistenz auf den Einsatz von Leistungsförderern in der Tiermast zurückgeht', argumentiert Elvira Süphke, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft für Wirkstoffe in der Tierernährung: Sie glaubt, die Probleme entstünden hauptsächlich 'durch Fehler in den Kliniken'.

Die Gesundheitsschützer des RKI halten dagegen: 'Wenn wir auf die von der Industrie geforderten Beweise warten, riskieren wir die Gefahr schwerster Infekte', so RKI-Leiter Kurth. Die Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sehen zwar noch 'Lücken in der Indizienkette'. Doch fordern auch sie ein Ende des 'Leistungsförderer-Einsatzes in der Tiermast' überall dort, wo ein Problem von Resistenzentwicklungen zu humanen Arzneien bestehe.

Sogar Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert (CDU) will die Risiken der Tier-Antibiotika 'nicht länger ignorieren'. Seit Mitte 1997 wird deshalb bei weiteren zehn in Deutschland eingesetzten 'Leistungsförderer' die Zulassung überprüft.

Dazu gehört auch Virginiamycin, nach dem Avoparcin-Verbot ein Ausweichpräparat für viele Tiermäster. Das Mittel ist dem neuen Synercid sehr ähnlich, das Ärzte bei Patienten einsetzen sollen, denen Vanomycin nicht mehr helfen kann. Schon hat RKI-Mikrobiologe Wittwew in Deutschland Enterokokken aufgespürt, die unempfindlich waren gegen Synercid - noch bevor das Medikament überhaupt zugelassen ist.

Dabei ist auch den schärfsten Kritikern klar, dass nicht allein ein Generalverbot des Antibiotika-Einsatzes in der Tiermast die Entwicklung multiresistenter Keime stoppen wird. Auch Humanmediziner müssen diese so hilfreiche Medikamentengruppe weit zurückhaltender verschreiben.

kanadische Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass jede zweite Antibiotika-Verordnung überflüssig sein könnte. Ähnliches wird auch in Deutschland vermutet, wo Antibiotika oft gegen Erkältungen ('akute Atemwegsinfekte') verschrieben werden - obwohl die fast immer von Viren verursacht werden, gegen die Antibiotika wirkungslos sind.

Rosamund Williams von der WHO rät indessen zu Realismus: Die Forderungen nach Mäßigung beim Antibiotika-Einsatz blieben fromme Wünsche, so die Fachfrau im Wissenschaftsjournal 'Science', 'solange Ärzte und Kliniken direkt durch das Verschreiben von Antibiotika verdienen'.(34)


...und fertig ist die Leberwurst


nennen die Autoren Kapfelsperger und Pollmer ihr Kapitel über die Wurst.

Das Schlachttier ist nun glücklicherweise verendet und hat sein erbärmliches Dasein hinter sich.

Immer wieder begegnet mir in meiner Stadt ein gut herausgeputzter VW-Bus, auf dem mit großen Lettern steht: 1. Tierschutzverein von 1972. Und darunter befindet sich ein kurzer Werbetext darüber, dass es Tiere zu schützen gilt. Ich habe mich bei diesen Tierschützern umgeschaut. Es waren allesamt sehr nette und engagierte Leute. Aber die Tiere? Katzen und Hunde. Aus. Im Gespräch mit dem Leiter der Einrichtung spürte ich die Ohnmacht und Wut dieses Menschen, dem wenigstens ein Rest seines Anliegens, die Kreatur zu schützen, bleibt, nämlich der Schutz der gesellschaftlich geachteten Tierarten: Hunde und Katzen.

Das Tier, das nur über seinen Zweck für uns Menschen definiert wird, das Schlachttier, ist also tot. Der sogenannte 'Schlachtkörper Schwein' wird halbiert, die Muskelfleischstücke, die sogenannten "Qualitätsteile" werden für die Fleischtheke separiert. Der Rest Muskelfleisch ist gut für Rohwurst wie frische Bratwurst oder Mettwurst. Und nun ist da der Durchschnittsrest pro Schlachtsau von 6,7% eigentlich nutzlosem Fett und Speck. Das, was für unsere Vorfahren so wertvoll war, die Flomen, das Schmalz, der Speck ist heute geradezu "Schweinedreck", wenn - ja wenn die gute Leberwurst nicht wär!

Für die Leberwurst - übrigens einer der größten Hochgenüsse meiner Kindheit, als auf dem Bauernhof meiner Großmutter die 'Wutz' geschlachtet wurde - "werden zur Produktion 'alle als Fleisch definierten Teile des Tierkörpers, mit Ausnahme der Knochen verwendet'."(35) Kapfelsperger/Pollmer meinen jedoch, dies sei nicht so, "denn eine fabrikmäßig hergestellte Kochwurst oder Brühwurst kann sogar bis 10% eines Breies aus Knochenfleisch und Knochensubstanz enthalten".(36)

Und damit unser aller Appetit so richtig angeregt wird, vernehmen wir, dass die Innereien nur in Fleischerzeugnissen, die hitzebehandelt sind, verarbeitet werden dürfen. Und da bleibt natürlich in großen Mengen die Leberwurst.

Was zählt nun zu den Innereien, welche sich zu den 6,7% "Bio-Rest-Müll" gesellen? "Leber, Niere, Herz, Zunge ohne Schleimhaut, Lunge, Speiseröhre ohne Schleimhaut, bei Kälbern unter 100kg Lebendgewicht Labmagen, auch mit Schleimhaut, 'Gekröse' von Kälbern unter 100kg Lebendgewicht, Schweinemicker, Euter einschließlich ausgebildetem Schweinegesäuge, aus dem Fleisch entfernte Lymphknoten, Hirn, Rückenmark, Bauchspeicheldrüse und Bries; ferner große Gefäße von Kälbern, Schweinen und Schafen, vom Kopffleisch abzutrennende Speicheldrüse des Rindes."(37)

Ich muss gestehen, was mich hier besonders anmacht sind die Lymphknoten, denn es ist ja davon auszugehen, dass diese so schön prall geschwollen sind. Aber auch die Bauchspeicheldrüse und dann noch die Speicheldrüse vom Rind! Ist Ihnen noch nicht schlecht, darf es noch etwas mehr sein?

Wie Sie schon ahnen, kann man die "goldene Wurst-Medaille" nur erreichen, wenn diese ganzen Einzelteile mit viel Einsatz endbehandelt wurden.


Eine gute Leberwurstqualität erreicht man wie folgt:


etwa 30% Innereien und Verarbeitungs-Reststücke
etwa 30% Schweinespeck mit Schwarten
etwa 15% Schweinekopf (Ohren abgeschabt)
etwa 20% Schweineleber etwa 5% Wasser

"Dazu kommen an zugelassenen Zusatzstoffen Umrötungshilfsmittel, Emulgatoren, Antioxidantien und Geschmacksverstärker. In der Rezeptur einer Zusatzstofffabrik werden folgende Mischpräparate zur gleichzeitigen Anwendung empfohlen:

'...für 1 kg Gesamtmasse:

20.0gr Nitritpökelsalz
7.0gr ROSIPUR
1.0gr SMAK S
1.0gr PÖK extra stark BL
5.0gr LEMAL
4.0gr VG-Gewürz Feinleberwurst 'Altmeister'
0.5gr VG-Gewürz Bratzwiebel-Emulsion'


Dahinter verbirgt sich laut Herstellerangaben im Prospekt:


ROSIPUR: 'Biologisch wirksamer Zucker auf Lactosebasis mit dem breiten Anwendungsbereich. Verbessert und stabilisiert Umrötung, Konsistenz, Struktur und Geschmack, mindert Gewichtsverlust.'


SMAK 'S': 'Geschmacksverstärker mit Naturwürzung für alle Wurst- und Fleischwaren.'


PÖK 'extra stark' BL: Umrötehilfsmittel für alle mit Nitritpökelsalz hergestellten brühwurstartihen Erzeugnisse sowie Rohwürste; sichere Umrötung und stabile Farberhaltung.


LEMAL: 'Emulgator zur risikolosen Herstellung von Kochstreichwurst einschließlich Leberpasteten, Leberparfaits und Lebercremes." (38)


Zur minderwertigen Erzeugung kommt nun die minderwertige Verarbeitung. Aber, wie wir ja erfahren haben, bedingt das eine das andere.



Die guten Eiernudeln - oder:

Was ist faul am Schleuderei?


Immer wieder lesen wir Meldungen, dass Eier belastet sein können. Mal sind es Rückstände von Reinigungsmitteln, mal sind es Lösungsmittel wie Chloroform oder Tetrachlorkohlenstoff, mal Spurenelemente wie Blei, Cadmium, Arsen oder Quecksilber.

Wenn Sie letztere nicht zu sich nehmen wollen, vermeiden Sie das Eiweiß im Ei, denn darin lagern sie sich ab. Wenn Sie den oft beträchtlichen Pestizidanteilen im Ei aus dem Weg gehen wollen, dann vermeiden Sie den Eidotter, denn diese lagern sich dort ab.

Verursacher jener Ablagerungen sind meist die minderwertigen Futtermittel. Mal wird irgendein Metall zerkleinert und untergemischt, mal war es, wie in den achtziger Jahren, "mit chromhaltigen Lederabfällen verfälschtes Legehennenfutter". Das Ledermehl war als kostengünstiger Eiweißersatz gedacht.

Sollten Sie einen Eiernudel-Hersteller finden, der seine Nudeln mit ganz normalen Eiern produziert, dann greifen Sie zu - wenn die Einhandrute oder das Pendel rechts drehen - denn Sie haben einen ungewöhnlichen Fang gemacht.

Versuchen Sie diese rechtsdrehenden Nudeln einmal im Regal Ihres Supermarktes zu finden. Gehen Sie in einen großen Markt, mit, sagen wir mal, einem Regal von zehn Metern Nudeln am Stück. Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich in keiner Weise stören, auch nicht vom Abteilungsleiter oder vom Geschäftsführer. Falls jemand in dieser Position Sie anspricht (Verkäuferinnen schauen nur merkwürdig, fragen aber nicht), dann erklären Sie, dass Sie einen kleinen physikalischen Test machen, um die für Sie besten Nudeln herauszufinden. Der Herr zieht dann mit einem, meist freundlichen, Kopfschütteln ab und Sie können unbehelligt weiter testen.


Wenn Sie an dieser Eiernudelfront eine Marke entdecken, die kohärent ist, dann freuen Sie sich! Ich persönlich hatte dieses Vergnügen ein einziges Mal an einem Marktstand. Dort wurden von einem bäuerlichen Betrieb hausgemachte Nudeln angeboten. Ich konnte es kaum fassen: Die Rute drehte rechts! Seitdem deckt sich unsere Familie nicht nur mit Nudeln von dort, sondern auch mit Geflügel ein. Für ein Brathuhn oder eine Ente müssen wir natürlich mehr als das Doppelte wie üblich bezahlen. Aber wir haben uns an kleine, wunderbar schmeckende Portionen gewöhnt. Man stelle sich vor: rechtsdrehende Brathühnchen! Ein Traum für den, der sich vor diesen Quälzüchtungen ekelt, denn zu allem kommt ja noch der Trichinenbefall.

Mit der Einhandrute kann dieser Traum durchaus wahr werden!

Übrigens: Trichinen sind Fadenwürmer, die sich im Muskelfleisch einkapseln. Sie können die stattliche Größe von 2,6mm erreichen. Da sich in der umhüllenden Kapsel Kalk einlagert, kann man sie mit bloßem Auge als weißen Punkt erkennen. Sie werden beim Koch- oder Bratvorgang abgetötet. Es besteht deshalb keine Gefahr für den Verbraucher. Allerdings sollte man bei aufgetauten Tieren gut das Auftauwasser entfernen, die Unterlage abspülen und nach dem Angreifen im Rohzustand die Hände waschen!

Warum ich im Supermarkt bis zum heutigen Tag keine rechtsdrehenden Eiernudeln finden konnte? Die Verwendung von Schleuderei, so vermute ich, lässt nur in den ganz seltensten Fällen eine Kohärenz zu.

Was hat es nun mit diesem merkwürdigen Begriff auf sich?

Für Eier-Nudeln, aber auch für Speise-Eis oder den leckeren Kuchen vom Konditor oder für Mayonnaise braucht man Eier. Aber selbst die am billigsten produzierten Eier sind zu teuer (sagt die Industrie). Welches Ei ist nun billiger als das billigste? Na? Das faule Ei, natürlich! Und faule Eier gibt es zu Millionen!

Normalerweise, mit einem nicht voll ausgebildeten Verstand, würde man meinen, faule Eier müsste man wegwerfen oder entsorgen. Das ist richtig. Vor allem "entsorgen" ist richtig. Hier haben wir mal wieder eine ganz und gar verstehbare Bio-Müll-Anwendung!

In den "Gebrauchsküken-Betrieben' bzw. in deren Brutschränken bleiben etwa 15% aller zu bebrütenden Eier als nicht befruchtet oder mit abgestorbenen Embryonen liegen. Das ist unbefriedigend.

Vor Jahren wurden diese Eier als Futter-Zusatz, zu Lederöl oder zu Shampoo "mit Ei" verarbeitet. Dies war für kostenbewusste Hersteller von Lebensmitteln auf die Dauer keine Lösung.

Zum Glück konnte die Europäische Gemeinschaft die Sache zur Zufriedenheit bearbeiten: "'Bebrütete Eier können', so die EWG-Verordnung Nr. 2772/75, 'in die Güteklasse C eingestuft werden." (39)

Die faulen Eier sind jetzt Inhaber einer Güteklasse! Und diese "Brut-Eier EG-verbriefter Güte und Klasse sind seither 'für die Nahrungsmittelindustrie bestimmt'. Voraussetzung dafür ist, dass die Eier unbefruchtet sind und nicht länger als 6 Tage im Brutschrank lagen.

Hans Kruppa, Geschäftsführer des größten deutschen Herstellers von Qualitäts-Eiprodukten, hält die Verwendung solcher Brut-Eier dennoch für 'eine große Schweinerei, denn ein Ei verdirbt unter Hitze viel zu schnell. Aber davon ganz abgesehen, gibt es diese 6 Tage alten angebrüteten Eier gar nicht, weil die Brütereien ihre Schier-Eier frühestens nach 17 Tagen erst aussortieren, alles andere wäre für sie viel zu teuer'".(40) Und was macht man mit diesen 17-Tage Eiern, angebrütet, in der Brutwärme gelegen, ohne oder mit abgestorbenem Embryo? : Sie werden, so wie sie sind, zerkleinert, "mit Schalen, anhaftendem Dreck und toten Embryonen verrührt und dann - nach dem Wäscheschleuder-Prinzip, zentrifugiert. Dieses absolut unhygienische und in der Regel salmonellenhaltige Schleuder-Ei wird schließlich pasteurisiert, wodurch sich vor allem der verräterische Geruch nach faulem Ei verflüchtigt. Nicht wenige Firmen im In- und Ausland wussten diese Verordnung und ihre wohl beabsichtigten Schwächen unternehmerisch zu nutzen." (41)

Und in der Regel ist es dieses Schleuderei, das unsere Nudeln zu den so beliebten Eiernudeln macht.

Das Szenario spitzt sich dermaßen zu, dass ganz schnell Rettungsanker für sich selbst und seine Familie geworfen werden müssen. Der Rettungsanker in Sachen Lebensmittel ist die uralte, neu entwickelte Einhandrute oder das Pendel. Beides ist preiswert zu erstehen und beide sind unbestechlich. Sie helfen uns Ruhe zu bewahren und in unserer ohnmächtigen Wut nicht das Falsche zu tun. Wir können die Essensaufnahme nicht verweigern, ohne uns selbst zu zerstören. Wir können aber jetzt Gott sei Dank das Essen auswählen, das wir zu uns nehmen.

Für viele Speisen, für Fertiggerichte und anzurührende Saucen, für giftgrüne Götterspeisen und Früchtejoghurt brauchen wir Einhandrute oder Pendel überhaupt nicht. Auch nicht bei Kopfsalat im Januar oder Spargel zu Weihnachten. Bei all diesen Sachen spüren wir schon im Augenkontakt, dass etwas "oberfaul" sein muss.

Dank Schrödinger und Popp und all den vielen anderen aufrechten Forschern wissen wir, dass keine geheimnisvolle Magie, sondern die neue physikalische Sicht der Welt hier am Werk ist.

Wenn wir in diesem Sinne alle Physiker geworden sind - die täglich handeln - wird der unglaubliche Schmerz und die oft unbändige Wut soweit erträglich, dass wir unsere Gefühle der Scham über unsere Gattung Mensch glaubhaft und wirkungsvoll weitergeben können.


Quellenangabe:

( 1) Grimm, H.-U.: Die Suppe lügt, Klett-Cotta 1997
( 2) Grimm. H.-U.: Die Suppe... S. 11
( 3) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 14
( 4) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 15
( 5) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 17
( 6) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 20
( 7) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 20
( 8) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 21
( 9) Camphausen, Jutta von: Köstliche Gefahr, in: Die Woche vom 17.10.1997, S. 32
(10) Camphausen, J.v.: Köstliche...
( 9) Pollmer, Udo, in: Popp, F.-A.: Die Botschaft... S. 131
(10) Pollmer, U., in: Popp, F.-A.: Die Botschaft... S. 131f
(11) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 27f
(12) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 27f
(13) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 28
(14) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 29
(15) Grimm, H.-U.: Die Suppe... S. 30
Grimm, H.-U.: Die Suppe lügt:
(16) S. 116; (17) S. 112; (18) S. 113; (19) S. 133; (20) S. 114; (21) S. 115; (22) S. 109; (23) S. 110; (24) S. 108; (25) S. 110; (26)(27) S. 111
(28) Kapfelsperger E./Pollmer U.: Iß und stirb, dtv 1986, S. 30;
(29) S. 40; (30), S. 32f; (31) S. 35f; (32) S. 31ff
(33) ohne Autorenangebe in: Die Woche Nr. 9/1998 S. 29
(34) Koch, K.: Tod aus dem Schweinestall, in: Die Woche Nr. 9 1998 S. 29
(35) Kapfelsperger E./Pollmer U.: Iß... S. 73f; (36)(37) S. 74; (38) S. 74f
(39)(40)(41) Kapfelsperger E./Pollmer U.: Iß... S. 126

© 8.2003 Radionik Verlag

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