Sarkoid beim Pferd Teil 2

von Claudio Romanazzi, aus dem Radionik Newsletter 12.2010

Nun könnte man ja annehmen, dass es in dieser Geschichte ein Happy-End gibt, denn warum sollte man sonst einen so schwierigen Fall veröffentlichen? Rekapitulieren wir:
So sah der Anfangszustand aus

Sarkoid beim Pferd 3

und so der Zustand Ende Oktober:

Sarkoid beim Pferd 17

Der weitere Verlauf sah dann so aus:

1.11.10

2.11.10

3.11.10

Was war denn das? Neuerlicher Blutaustritt, Verschlechterung?

4.11.10

Blutung gestillt, Kruste gebildet, jedoch der Durchmesser vergrößert und die Verbesserung vom Monatswechsel nicht mehr so gut sichtbar.

5.11.2010

Sarkoid mit Erde abgedeckt, jedoch darunter erhabene Strukturen, die an den Anfang der Behandlung erinnern.

7.11.10

Hier sieht man deutlich, dass die erhabenen Strukturen zunehmen, die Abflachung ist aufgehoben.

9.11.10

Dunkelrote Strukturen unter der Heilerde lassen keinen guten Verlauf erahnen. Das Sarkoid wird wieder größer!

12.11.10

Das Sarkoid sieht fast bösartig aus, es wird eindeutig wieder größer und lässt die anfänglichen Besserungen verschwinden.

14.11.10

15.11.10

18.11.10

19.11.10

20.11.10

22.11.10

So, hier ziehen wir die Reißleine und müssen konstatieren, dass der bisherige Ansatz gescheitert ist.

Wir stellen fest, dass es anfänglich viel versprechende Veränderungen am Zustand von Gaby gegeben hat, die jedoch im zweiten Monat der Radionikbehandlung wieder zurückgingen und den alten Zustand wieder haben aufleben lassen.

Damit kommen wir nun zur Fehleranalyse, von denen ich hier einige nennen kann, andere, die eher mit der durchgeführten Technik zu tun haben, würde an dieser Stelle zu weit führen.

Nun machen wir ja keine Radionik im luftleeren Raum, sondern wir bewegen uns in einem Kontext, der für jeden Radioniker eigen ist. Mit anderen Worten, jeder hat eine Arbeitshypothese, wie die Dinge funktionieren und wie man Fehlsteuerungen und Fehlinformation korrigieren kann.

>Bildnachweis: Bildausschnitt aus ‚Meridiantafeln für die Akupressur beim Pferd‘ von Lisbeth Traffelet, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co, ISBN 3-8001-4571-5

Ein Beispiel: Die in diesem Fall federführende Kollegin stellte fest, dass das Sarkoid genau auf einem Akupressurpunkt liegt.

Es handelt sich dabei um den Punkt Magen 40 (Magenmeridian Punkt 40), der ausgerechnet für Warzen wirksam ist. Allein das ist schon ein sehr interessanter Aspekt. Wenn der Körper ausgerechnet den Punkt zum Symptom ausprägen benutzt, dann muss der Sache schon eine ziemliche Ernsthaftigkeit zugemessen werden.

Was macht man normalerweise, wenn man es Warzen beim Pferd ‚ungemütlich machen‘ will? Man regt den Punkt an, indem man ihn akupressiert. Und genau das hat unsere Kollegin im zweiten Monat der Behandlung radionisch gemacht.

Bei näherem Nachdenken stellt sich jedoch heraus, dass man hier eher abregen/sedieren
sollte, denn wir wollen ja das Wachstum bremsen, bzw. zurückführen.
In der Revision der Behandlung wurde das dann auch gemacht. Merke:
Akupressur ist eben nicht Radionik.

In weiteren Überlegungen wurde
festgestellt, dass zu wenig auf die Ursachen eingegangen wurde. In
der Behandlung wurde vielmehr Wert auf die Beseitigung des Symptoms
gelegt.

Als zusätzliche, weil vorher nicht
beachtete Ursache, wurde eine tierärztliche Behandlung mit einer
Jodspritze in die Betrachtung mit einbezogen. Gaby ist ja noch ein
Fohlen und da kommt es – wie beim Menschen auch – zu
Ungleichheiten beim Wachstum. Bei Gaby waren die Kniebänder zu lang,
was dazu führte, dass sie öfters stark lahm ging (das Kniegelenk
renkte sich aus). Die Jodspritze hat zur Folge, dass sich die Bänder
zusammen ziehen und damit das Ausrenken vermieden wurde.

Wie jetzt erst auffiel, war es (fast)
’natürlich‘ das Knie, an dem nach der Spritze das Sarkoid
auftauchte.

Weitere Überlegungen befassten sich
mit dem Verhältnis der Eigentümerin zu Gaby. Die im ersten Teil
dieses Berichts geschilderte Abholung vom Züchter bedingte ja auch
eine entsprechende Einstellung bei der Eigentümerin. Dass sich dies
zu einer Belastung entwickeln würde, ist eigentlich fast schon
zwangsläufig.

Um aus der Sackgasse herauszukommen
wurde zunächst eine komplette klassische Analyse erstellt, in welche
auch die oben genannten Überlegungen mit einflossen. Es ergab sich
dadurch ein objektiveres Bild der Gesamtsituation, was zu
effektiveren Behandlungen führen sollte.

Teilfazit 2

Radioniker sollten immer auf die Hintergründe einer Situation schauen und sich nicht vom scheinbar so einfach zu erschlagenden Symptom blenden lassen. Behandlungen von Symptomen sind sicherlich angezeigt, sie bringen jedoch weder Nachhaltigkeit noch sind sie Garanten für das angestrebte Ziel. Viel besser – ich möchte behaupten – eher unverzichtbar ist die Behandlung der Ursachen. Letzteres ist jedoch nur dann möglich, wenn im Zusammenspiel mit Besitzer und fachlicher Kenntnis die möglichen Zusammenhänge zum Symptom hergestellt werden können.

Eine Liste mit ‚zufällig‘ ausgewählten Inhalten ist da vollkommen fehl am Platz. Nur aufgrund von akribisch gesammelten Informationen, deren fachliche Einordnung in eine (nicht notwendigerweise wissenschaftliche) logische Ordnung, die in die Arbeitshypothese des Radionikers passen muss, können wirkliche Fortschritte erzielt werden, bei denen man dann letztlich von der ‚Erledigung des Problems‘ sprechen kann. Doch davon mehr im 3. Teil des Berichts in der nächsten Ausgabe.

Claudio Romanazzi

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