Die vorletzten Grüße

Die Jahrbücher der Radionik Information

Leseprobe aus der Ausgabe 1997


Die ‚vorletzten Grüße‘ oder wie ich die Radionik kennenlernte

von Winfried Feldung

Indochina 1969: der 2. Vietnam-Krieg erschüttert die Länder und Menschen der großen Halbinsel… Am Fuße der laotischen Berge, in der Nähe des Ashau-Tales 80 km südlich von Hue in der Provinz Qang Nam hatten wir in Ankoa ein Krankenhaus für ‚alle‘ gebaut. Deutsches medizinisches Personal versuchte hier, einen Beitrag für den Frieden zu leisten, während die junge linke APO in Berlin durch die Straßen zog und rhythmisch Ho-Ho-Hotschi-Minh rief.

Jede Nacht sickerten die nordvietnamesischen Partisanen vom Ho-Tschi-Minh-Pfad in die Ebene, um das Land zu ‚befreien‘. Wer das überlebte, konnte bei uns medizinisch versorgt werden. Die ‚bodois‘ (Volksbefreiungssoldaten, wie sie sich nannten) eroberten Marktplätze, Schulen, Sanitäreinrichtungen und griffen auch mal Stellungen ihrer Gegner an.

Auch an diesem Morgen fanden wir in unserem 3 km entfernt liegendem Krankenhaus vor unseren Unterkünften zwei Schwerverletzte etwa 17-jährige Viet-Kong-Partisanen vor. Sie waren nackt, den ihre Kameraden hatten ihnen die Uniformen ausgezogen, so wurden sie zu Zivilisten. Für uns waren sie Patienten, egal welche Uniform sie vorher trugen.

Infolge ihrer Verletzungen waren sie am Ausbluten und wir hatten kein Blutplasma mehr. Mit unserem Willy-Jeep fuhr ich in ein 5 km entfernt liegendes Camp der 5. Marins (US-Marineinfanterie), um Blutplasma zu erbitten. Unterwegs begegnete mir eine kleine Sicherungseinheit, die im Vorfeld ihres ’strongpoints‘ sich eingegrabene Gegner finden sollte. Lässig hatten sie die Helme aufgesetzt, winkten, riefen mir Grüße zu und lachten.

Mit mir fuhr ein Schützenpanzer in das Camp. Soldaten aller kämpfenden Gruppierungen lagen wie Schweinehälften übereinandergestapelt darauf. Der Erdbunker wurde jetzt nicht als Kommandantur sondern als Verwundetensammelstelle benutzt. Sanitäter und Ärzte, wer trug schon ein Dienstabzeichen, behandelten Freund und Feind. Ohne Handschuhe wurde operiert, Geruch von Kerosin, Blut und Schweiß vermischte sich. Eine Artillerie-Batterie schoß Sperrfeuer auf eine im nahen Bergdschungel schießende Vierlingsflag der Nordvietnamesen, ein Oberst brüllte ins Funkgerät, um von Da Nang Hubschrauber anzufordern, einige der 19-jährigen Ledernacken weiten, Rufe, Befehle, nur bei Dr. Grauwein im Sanitätsbunker in Dien-Bien-Phu 1954 muß es noch schlimmer zugegangen sein.

Ein schwarzer Marins bewachte ein etwa 12-jähriges Partisanenmädchen, an der gerade Ansätze einer Brustentwicklung zu sehen waren, und gab ihr Cola und Schinkenbrötchen. Teilnahmslos sagte er mir, daß sie drei Freunde von ihm erschossen hätte. Das Bild war so unwirklich, daß ich es fotografierte.

Der Sanitätsfeldwebel gab mir einen Karton Blutplasma. Mehr lag nicht drin, ich sah es ja selbst, daß sie fast nichts mehr hatten. Er wußte sehr wohl, daß wir es für seine gegner benötigen.

Da ertönte die automatische Funkanlage: die Gruppe Marins, die ich noch auf der Hinfahrt gesehen hatte, war nach dem Überqueren eines Reisfeldes von hinten mit automatischen Waffen angegriffen worden. Der selbst verletzte Funker gab Koordinaten, Namen und andere Details durch. Deutlich waren die Salven der AK 47 Maschinenpistolen und die Detonationen der Handgranaten zu hören. In der Hitze des Bunkers stockte die Arbeit, nicht aber der Lärm der neu einschlagenden Werfergranaten.

Mein Sanitätsfeldwebel lies mich stehen, nahm aus einem Karteikasten einige Päckchen, bestehend aus Foto, Blutstropfen, Haaren und einem handgeschriebenen Lebenslauf der Soldaten, die jetzt im Reisfeld lagen und verzweifelt Hilfe anforderten. Er legte diese Päckchen auf ein Gerät, das ein Radionikgerät war.

Meine Schulmedizinische Ausbildung war gut, aber sie hatte mich gehindert, über den Tellerrand zu schauen. Ich verstand nichts. Trocken sagte er dann:

  • Miller schwer verletzt, hoher Blutverlust
  • Talbot gefangen genommen
  • Richard tot
  • Henry tot

Ich verstand nichts und doch schaute ich fasziniert zu, wie er seine ‚vorletzten Grüße‘ mit seinem Radionikgerät abschickte:

Talbot: benötigt Lebensenergie, Durchhaltekraft, Schockbekämpfung,

Miller: die Wunden sollen sich schließen, Immunsystem aktivieren, Schmerzbekämpfung, psychischen Widerstand mobilisieren, Überlebenswillen stärken usw….

Alles würde telepathisch wirken, meinte er, ich verstand noch weniger.

Dann packte ich meine Plasmaflaschen ein und ging zurück, um mich zu bedanken. Der Feldwebel saß noch an seinem Radionikgerät. die aussortierten Päckchen der Toten waren mehr geworden. Er betete, Tränen liefen über sein Stoppelgesicht und ich ahnte, daß er jetzt seine ‚letzten Grüße‘ an seine Kameraden schickte.

Der Oberst am Funkgerät schrie immer noch und die Schürzen der Ärzte waren schmutzig geworden. Nordvietnamesische Verwundete schauten mich ungläubig an, sie hatten erwartet, erschossen zu werden und erhielten Zigaretten.

Ich fuhr sofort zurück. Im Tiefstflug donnerte eine Rotte Fouga Magister, Düsenjäger italienischer Produktion, über die Reisfelder. Wo die Vierlingsflag vermutet wurde, standen jetzt einige Rauchpilze. Die Rettungshubschrauber stürzten sich auf den Landeplatz aus roter Erde wie Habichte.

Nach einer knappen Stunde war ich zurück. Die beiden Viet-Kong-Partisanen waren tot, verblutet. Meine Infusionen bekamen andere…

Tage später klärte mich der Sanitätsfeldwebel über Radionik auf. Mir fehlten die geistigen Voraussetzungen, um ihn verstehen zu können. In meinem Unterbewußtsein speicherte ich nur: da gibt es noch etwas.

Drei Monate später eroberten nordvietnamesische Volksbefreiungssoldaten unser Krankenhaus. Es wurde nur durch die Fahne des roten Kreuzes geschützt. Unsere Aufgabe, dem ‚Mensch Patient‘ zu helfen, konnten wir nicht mehr erfüllen. Noch fünf Jahre mußte die Bevölkerung warten, bis nicht mehr geschossen wurde. Als ich jetzt wieder da war, erinnerten sich noch einige an die Duc Quoc, die deutschen Langnasen.

PS: Bundeswehr und Radionik: Während meiner letzten Wehrübung im Sanitätswesen der Bundeswehr erlebte ich, daß selbst bei kommandierenden Ärzten nicht einmal das Wort Radionik bekannt ist. Dabei bietet Radionik sich an, Soldaten, die der Gegner gefangen hat, radionisch zu stärken: Gesundheit, Krankheiten, seelische Eigenschaften, Wille zum Durchhalten, psychische Belastbarkeit bei Folter usw. Aber wie schon so oft gehört: es gibt keinen Krieg mehr!

Winfried Veldung
Heilpraktiker und Sozialtherapeut
Waldstr. 20
23611 Bad Schwartau

Claudio Romanazzi

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(Claudio Romanazzi)

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