Nichts

Im Reich der materiefreien Wirkungskomponenten

Behandeln ohne pharmakologisches Wirkprinzip

von Hermann Grösser

Wer sich für alternativ-komplementäre Heilweisen interessiert, sollte sich im Vorfeld bereits mit den verschiedenen Methoden und deren postulierten Wirkprinzipien auseinandersetzen, zumal diese häufig Anlass zu heftigen Kontroversen geben. Grund dafür ist meistens die unterschiedliche Betrachtungsweise der jeweiligen Kontrahenten, die fest auf ihren Positionen beharren und logischen Argumenten nicht zugänglich sind. Vor allem Neueinsteiger haben oft Mühe, sich in dem umfangreichen Angebot der Branche und den differenzierten Bezeichnungen zurechtzufinden und die Spreu vom Weizen zu trennen.

Am Beispiel der Akupunktur sowie verschiedener, gerätebedingter Bioresonanzverfahren, die u.a. auch als Energie- und Informationsmedizin bezeichent werden, soll im Folgenden näher auf diese Thematik eingegangen werden. Allen Methoden gemeinsam ist, dass sie, im Gegensatz zur wissenschaftlichen Medizin, nicht-spezifischen Wirkprinzipien unterliegen. Sie werden auf Grund unterschiedlicher Bezeichnungen von Interessensgruppen sowie Bewertungskriterien der jeweiligen Personenkreise differenziert betrachtet. Eine schulmedizinische Anerkennung gibt es nicht. Grund dafür sind die fehlenden Voraussetzungen zur Evaluierung der Methoden nach wissenschaftlichen Maßstäben.

Bei uns im Westen hat die Akupunktur seit Langem einen festen Platz unter den Naturheilverfahren eingenommen. Ähnlich der Bioresonanztherapie ist sie bei zahlreichen Indikationen angezeigt. Insgesamt werden von führenden deutschen Akupunkturgesellschaften 81 Indikationen aufgeführt. Ebenfalls führt das British Acupuncture Council eine detaillierte und umfangreiche Aufstellung der mit Akupunktur behandelbaren Indikationen unter der WHO (1) list of conditions.

Eine Gesamtschau über die traditionelle asiatische Medizin, so auch über die chinesische Akupunktur und Moxa, finden Interessenten hier.

Der Begründer der klassischen Bioresonanztherapie, Dr. med. Franz Morell (1921-1990), Pionier der Therapie mit patienteneigenen Schwingungen, genannt MORA, war sogar der Meinung, dass jede Krankheit einen Behandlungsversuch damit wert sei. So gesehen ist sie lege artis angewandt die Universaltherapie der alternativ-komplementären Medizin und anderen, bewusstseinsrelevanten Therapien, wie z.B. der Akupunktur, der Homöopathie und ähnlichen Verfahren, überlegen. Für die Bicom-Bioresonanzmethode gibt es bereits über 1000 vorgefertigte Programme für die unterschiedlichsten Symptome – Knopfdruck genügt.

Wie in der Akupunktur die Meridiane und Punkte unentbehrlich für die Anwendung der Methoden sind, so sind es die patienteneigenen Schwingungen in der klassischen Bioresonanztherapie (MORA, BICOM etc.). Letztere sollen gemäß ihrer Befürworter elektromagnetischer Natur sein. Es sind (nicht messbare) Frequenzen, die je nach Bedarf scheinbar physikalisch modifiziert (invertiert, verstärkt, separiert oder abgeschwächt) werden können.

So weit so gut, wären da nicht die unterschiedlichsten Ansichten über die reale Existenz der jeweiligen Komponenten der beiden Systeme. Die wissenschaftliche Medizin verneint kategorisch die physiologische Existenz der Meridiane sowie der Akupunkturpunkte, d.h. 12 Meridiane und 365 Punkte.

Nicht viel anders sieht es bei den patienteneigenen Schwingungen aus, auch sie lassen sich wissenschaftlich nicht darstellen. Moderne Bioresonanzverfahren arbeiten heute mit ganz unterschiedlichen Komponenten und sind mit der ursprünglichen Therapieform kaum mehr vergleichbar, ihnen gemeinsam ist nur der Name Bioresonanz, trotzdem sind sie in die Kategorie der Pseudophysik einzuordnen. Wären sie es nicht, würden sich die Einschränkungen der Hersteller wissenschaftlich (noch) nicht anerkannt, bzw. noch nicht erforscht in ihren Publikationen wohl erübrigen.

Trotzdem funktionieren diese Verfahren, wenn auch in anderer Form und auch nicht mit behandlungsspezifischen Effekten, wie es z.B. bei materiegebundenen Heilmitteln mit biochemischen Wirkstoffen der Fall ist. Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), bekannt als Aspirin, das als Schmerzmittel auf der „Liste der unentbehrlichen Arzneimittel“ der Weltgesundheitsbehörde (WHO) steht und weltweit verfügbar ist. Wirkung und Nebenwirkung sind bekannt und gut erforscht.

Im Gegensatz zur wissenschaftlichen Medizin mit nachweisbaren biochemischen Wirkstoffen gibt es in der alternativ-komplememtären Medizin zahlreiche Methoden, deren Wirkkomponenten immateriell sind und wissenschaftlich nicht erklärt werden können. Im Allgemeinen handelt es sich um (philosophische) Konzepte, die oft frei erfunden sind. Sie haben auf materieller Ebene zwar keine realen Entsprechungen, können jedoch im therapeutischen Kontext durch rituelle Handlungen (bewusstseinsrelevante Komponenten) physiologische Wirkungen im Organismus der zu behandelten Person auslösen. Mehr dazu bei ZA Franz Christians: Bewusstsein und Geist.(SOM 4/2013)

Für die praktische Arbeit treten anstelle klar definierter biochemischer Wirkstoffe gewisse Substitute (Substanzen, Geräte etc.) so genannte „materielle Repräsentanten“, denen gewisse Eigenschaften „symbolisch“ zugeordnet sind. Wichtig: Es gibt keine definitiven oder allgemein gültigen Regeln für die Zuordnung von Symbolwerten oder philosophischen Konzepten zur wissenschaftlichen Realität. Das Bindeglied zur praktischen Umsetzung der Symbolik sind Fokussierung und rituelle Handlungen mit Hilfe bewusstseins-relevanter Komponenten. Siehe dazu ZA Franz Christians: Ritus und medizinische Geräte, Ihre Bedeutung im Bereich der Komplementärmedizin (SOM 3/2014).

Im Falle der Akupunktur sind es die Nadeln, die in verschiedenen Ausführungen zur Verfügung stehen. Die gebräuchlichsten Anwendungen sind Körper-, Ohr- und Schädelakupunktur. Jeder Anwender hat seine eigenen Vorstellungen und Meinungen und so ist es nicht verwunderlich, dass manche Therapeuten, die die bewusstseinsrelevante Komponente der Methode erkannt haben, die Nadeln im Laufe der Zeit durch allerlei Gegenstände ersetzten. Dazu gehören z.B. unterschiedliche Instrumente wie Chi-Stifte, elektronische Geräte, Laser, Zapper, Magnetfeld und Farblichtapplikatoren. Sie alle ermöglichen eine nadelfreie Akupunktur. Selbst Essstäbchen (Chopsticks) aus der asiatischen Küche sind im Gebrauch (Chopstick Acupuncture by Shmuel Halevi Ph.D). Weniger bekannt ist die Tatsache, dass sich auch eine Akupunkturpuppe, oder nur eine simple Akupunkturtafel als geistiger Anker zur Übermittlung der jeweiligen Information eignet – nützlich bei Fernbehandlungen.

Bei der Bioresonanz dagegen werden unterschiedliche Geräte, oft auch als Mind-Matter Interfaces (MMI) (2) bezeichnet, eingesetzt. Inzwischen gibt es zahlreiche Hersteller mit diversem Zubehör und Erklärungsmodellen. Mind-Matter Interfaces sind pseudomedizinische Geräte mit unterschiedlichen Funktionen. Sie dienen zum einen der physiologischen Ankopplung einer Person über Kontaktelektroden, zum anderen zur psychoenergetischen Übertragung von Informationen auf Speichermedien sowie zur Regulation biologischer Systeme (Menschen, Tiere, Pflanzen).

Die Technik ist gewöhnlich für einen Anwender kaum durchschaubar. Ein weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal scheint der Preis zu sein, je höher desto besser. Eine verbindliche Bauweise gibt es nicht, jeder Konstrukteur ist frei, seine eigenen Ideen zu verwirklichen und sie der jeweiligen Methode anzupassen. MMIs sind ein wichtiger Teil der Bioresonanz und tragen wesentlich zur Akzeptanz und dem Vertrauen in die Methode bei. Sie gehören heute zum Standard einer modernen Naturheilpraxis. Vor allem technophile Personen fühlen sich magisch davon angezogen. Der durch das Anwendungsritual entstehende Show Effect (audiovisuelle Kontrollanzeigen) verstärkt den professionellen Eindruck noch um ein Vielfaches.

Durch die Digitalisierung hat sich im Laufe der Zeit jedoch eine Wandlung ergeben, der Bildschirm verdrängt, je nach Einsatzbereich, mehr und mehr die analogen Geräte. Dies betrifft vor allem Testungen aktueller Beschwerden, die immer häufiger durch sogennante Nichtlineare Systemanalysen (NLS) erfolgen. Diese Testmethoden sind ebenfalls pseudodiagnostische Verfahren und funktionieren nach dem Zufallsprinzip, sind also nicht reproduzierbar. Häufig werden NLS-Systeme zur Austestung von Nahrungsergänzungsmittel sowie Behandlungsempfehlungen empfohlen. Siehe dazu: Abzocke mit Bioresonanzmessungen.

Die Anwendung dieser Konzepte ist jedoch bewusstseinsrelevant und somit bedienerabhängig. Sie steht in direktem Zusammenhang mit der Kunst des Anwenders und seinem Wissen, die Empfehlungen zu interpretieren. Hinzu kommt der Zeitfaktor, der ebenfalls in der Analyse eine Rolle spielt, mit anderen Worten: das Ergebnis ist also kaum reproduzierbar, es sei denn, es wird über einen Computer-Algorythmus manipuliert.

Das wäre soweiters kein Problem, würden die Anwender dieser Konzepte (Akupunktur, Bioresonanz u.a.) nicht auf die Anerkennung durch die Wissenschaft großen Wert legen, manche sogar glauben, bereits seit langem wissenschaftlich damit zu arbeiten. Beispiel: Dr. Frank Bahr, Einführung in die wissenschaftliche Akupunktur, Selbstverlag Dr. Bahr, 1991, Taschenbuch.

Doch wie in folgendem dargestellt, dürfte in naher Zukunft, wenn überhaupt, daraus nichts werden, auch wenn noch so viele, angeblich wissenschaftliche Argumente von den jeweiligen Vertretern angeführt werden. Wissenschaftlich bewertbar ist höchstens die Elektronik der Geräte, das eigentliche Wirkprinzip ist nicht Materie gebunden, bleibt auch für die Wissenschaft im Dunkeln. Die Rolle des Bewusstseins lässt sich nicht konkret erfassen und so spiegeln wissenschaftliche Untersuchungen immer nur den messbaren Teil des Lebens wider.

Hierzu einige Beispiele: Ein Beitrag von Steven Novella (Science-Based Medicine 08/2015) beschäftigt sich mit dem Sinnlosen von Akupunkturstudien, denn alles was da auf Seminaren und von verschiedenen Organisationen gelehrt wird, scheint überhaupt nicht das Wesen der Akupunktur zu treffen. Gemäß wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es faktisch weder Meridiane noch Akupunkturpunkte und somit ist es völlig egal, wie und wohin die Nadeln am Körper gesetzt werden, so das Ergebnis der Studie.

Für Insider kein unbekannter Sachverhalt, Beiträge dieser Art sind ja kein Novum. Auch die Ergebnisse der GERAC-Studien (German Acupuncture Trials, 2002–2007) bestätigten, dass die Erfolge von Akupunkturbehandlungen mit wenigen Ausnahmen (z.B. chronische Schmerzen) nicht über den Placebo-Effekt hinausgehen.

Nachdem die UNESCO im November 2010 nun auch die Akupunktur und Moxa in das immaterielle Kulturerbe der Menschheit erhob, sollte eigentlich der Ruf nach exakter medizinisch-wissenschaftlicher Bewertung obsolet sein. Acupuncture and moxibustion of traditional Chinese medicine (China) Representative List – 2010 Film ‘Acupuncture and moxibustion of traditional Chinese medicine (中医针灸)’ © 2009 Institute of Acupuncture and Moxibustion.

Hier noch die Meinung eines Praktikers von internationalem Renommee:

Dr. Felix Mann (1931-2014) war ein zu seinen Lebzeiten in London praktizierender renommierter Akupunkteur und Buchautor mit jahrzehntelanger Erfahrung. Er bestätigt diese Tatsachen und vermerkt es in unmissverständlicher Weise in seinem Buch Die Revolution in der Akupunktur – Neue Konzepte einer alten Heilkunde, ISBN 978-3927971080. (Reinventing Acupuncture – A New Concept of Ancient Medicine, ISBN 978-0750648578.).

Die Akupunkturpunkte sind nicht realer als die schwarzen Punkte, die ein Betrunkener vor seinen Augen sieht (Kapitel II, Seite 16).

Die Akupunktur-Meridiane sind ebenso wie die geographischen Meridiane nicht real existent. Wenn jemand versuchen würde, den Greenwich-Meridian mit dem Spaten auszugraben, würde er wahrscheinlich im Irrenhaus landen.

Vielleicht ereilt die Ärzte, die an die Akupunktur-Meridiane glauben, eines Tages das gleiche Schicksal (Kapitel III, Seite 38).

Für rein wissenschaftsorientierte Personen mag dies genügen, das Thema Akupunktur nicht weiter zu verfolgen, bzw. es für immer ad acta zu legen. Leider zu Unrecht, denn wer zur Beurteilung ein ganzheitliches Weltbild zugrunde legt, wird schnell erkennen, dass wissenschaftliche Bewertungen nur den messbaren Teil des Lebens berücksichtigen können, wobei die Rolle des Bewusstseins dabei außen vor bleibt. Doch gerade sie ist die tragende Säule immaterieller Konzepte und speziell der Akupunktur.

Wissenschaftliche Bewertungen sind jedoch nur eine Seite der Medaille, die Kunst des Heilens und das Wissen der Anwendung dagegen die andere.

Für die Anwender der Akupunkturlehre sind Meridiane und Punkte jedoch fester Bestandteil ihrer Methode und zur therapeutischen Orientierung unverzichtbar. Ohne Meridiane und der darauf befindlichen Punkte gäbe es keine Akupunktur. Sie sind allerdings nicht im Außen, in der materiellen Welt zu finden, sondern nur im Bewusstsein der Anwender, die ihre geistige Wirklichkeit selbst erschaffen. Somit kann jeder die Methode nach seiner eigenen Interpretation und Kenntnisstand anwenden und seine Ideen verwirklichen. Alles ist eine Frage des Bewusstseins und damit der persönlichen Wirklichkeitskonstruktion – doch erst die Anwendung erschafft die Wirklichkeit. Nicht von ungefähr spricht man von anwenderbedingten, bzw. bedienerabhängigen Systemen (operator dependent systems).

Das Konzept der Akupunktur ist eine jahrtausendalte „Naturphilosophie“ die aus einem anderen Kulturkreis stammt und keine Naturwissenschaft in westlichem Sinne ist. Yin und Yang, die 5-Elemente, das Qi u.a. haben keine naheliegenden Entsprechungen in den Begriffen der wissenschaftlichen Lehrmedizin. (Auszug aus: Wissenschaft und Akupunktur, CO‘MED online, Köpfe des Monats – 16. Dezember 2010, Dipl.-Ing. Eberhard W. Eckert im Interview. Das komplette Interview befindet sich hier).

So gibt es auch keine definitiven oder allgemein gültigen Regeln für die Zuordnung von Symbolwerten oder philosophischen Konzepten zur wissenschaftlichen Realität, sondern nur zur eigenen, selbstgeschaffenen Wirklichkeit.

Die Voreingenommenheit wird von mentalen Strukturen bestimmt, die von der Erkenntnisfähigkeit und den jeweiligen Wahrnehmungsfiltern einer Person abhängen. Die Ansicht der Wahrheit hängt somit vom Standpunkt eines Therapeuten ab.

Trotzdem wirkt die Methode. Wäre dem nicht so, würde wohl kaum Nachfrage dafür bestehen und demzufolge die Akupunktur-Praxen leer sein. Aus der Sicht des Autors ist die Akupunktur, wie auch die Bioresonanztherapie, die ursprünglich aus der Akupunkturlehre hervorgegangen ist, bewusstseinsrelevant und damit Glaubenssache. Der Anwender ist fest überzeugt, glaubt an die Methode, der Patient an den Therapeuten, beides starke Faktoren, die die nicht-spezifischen Effekte (Placebo) begünstigen.

Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die Zeitqualität. Eine alte Sufi-Weisheit besagt, dass Ort, Zeit und Menschen zusammen passen müssen, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Hinzu kommen anwendungsspezifische Faktoren, die sich positiv auf die Behandlung auswirken können und auch entsprechend dokumentiert sind, so z.B. How can complementary medicine practitioners enhance non-specific effects? by Thomas Dellmann, Kurt Lushington. Dieser empfehlenswerte Beitrag enthält zahlreiche Hinweise auf wichtige Einflussfaktoren, die es u.a. beim Anwender zur Erzielung nicht-spezifischer Effekte (Placebo-Tuning) zu beachten gilt.

Die klassische Akupunktur ist im Grunde genommen ein ausgeklügeltes System eine Art „Medical Entertainment“, das mittels Nadeln oder anderen Gegenständen am Körper über rituelle Anwendungen appliziert wird. Rituals create intangibe Effects. Je umfangreicher das Brimborium und je mehr Sinne bei einer Behandlung angesprochen werden, desto effektvoller scheint sie zu sein. Die Ergebnisse reichen vom einfachen Placebo bis hin zum Super-Placebo.

Rituale sollten jedoch dem jeweiligen kulturellen Umfeld angepasst sein, um entsprechende Wirkungen zu erzeugen. In der Traditionellen Südafrikanischen Naturheilkunde praktizieren Sangomas (Traditionelle Heiler) eine ihrem Kulturkreis angepasste Methode (Sangomas of the 21st century), doch keiner käme auf die Idee, diese einer wissenschaftlichen Bewertung zu unterziehen, denn in ihrem sozialen Milieu funktionieren sie ja seit Jahr und Tag.

Bei uns hängt der Erfolg in erster Linie davon ab, wie angenehm und freundlich dem Patienten entgegengetreten wird und wie wohl er sich bei dem Gespräch mit seinem Therapeuten fühlt, so die Erkenntnisse mehrerer Studien. Nicht zu vergessen die Umgebungssuggestion, die durch professionelle Ausstattung der Praxis, die Seriosität und den Wohlfühleffekt erhöht. Ein Zitat von Voltaire (3) drückt dies sehr treffend aus: Die Kunst der Medizin besteht darin, den Kranken solange bei Stimmung zu halten, bis die Natur die Krankheit geheilt hat.

Das Problem der meisten Veröffentlichungen ist, dass sie im Grunde genommen kaum gelesen werden, noch weniger fremdsprachliche und wenn doch, dann nur mit den Augen. Therapeuten glauben lieber den pseudowissenschaftlichen Argumenten der Gurus, als ihrer eigenen Urteilskraft zu vertrauen. In diesem Zusammenhang sei auch an das Zitat von Antoine de Saint-Exupéry erinnert: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ (4).

Einen ähnlichen Hinweis findet sich auch in der Bibel: Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid. (Eph 1,18)

Die medizinische Wissenschaft berücksichtigt das Wäg- und Messbare, sowie die Reproduzierbarkeit vermeintlicher Wirkkomponenten. Die bewusstseinsrelevanten Fakten bleiben im Allgemeinen außen vor, können nicht konkret erfasst werden. Immaterielle Konzepte sind mit wissenschaftlicher Methodik nicht „quantifizierbar“, ihre Wirkkomponenten sind bewusstseinsrelevant und somit an den jeweiligen Anwender, bzw. an die Personen im therapeutischen Kontext gebunden. Es ist die Kraft des Bewusstseins, die die Wirkung hervorruft.

Kein Wunder, wenn Gurus und solche, die sich dazu berufen fühlen, oft ihre eigenen Lehren erfinden und ihre Entdeckungen entsprechend propagieren, die dann von Unbedarften als die neueste Errungenschaft bewundert, bzw. übernommen werden. Welche Methode eines Gurus auch immer verkündet wird, das Ergebnis kommt über das übliche in der Akupunktur Erzielbare kaum hinaus.

Ähnlich einer Religion, entstehen Sekten mit nicht beweisbaren Inhalten. Eine Unterscheidung zwischen spezifischen (materiellen) und nicht-spezifischen Effekten ist kaum möglich und vermutlich von den Adepten auch nicht gefragt. Schnell bilden sich Gesellschaften mit steigenden Mitgliederzahlen, die dann ihre jährlichen Tagungen abhalten und die Interessen der jeweiligen Firmen vertreten. Signifikante Beispiele dafür sind die Elektroakupunktur nach Voll und die Bioresonanztherapie nach Morell (MORA bzw. BICOM). Beide Systeme sind, trotz aller Gegenstimmen, inzwischen zwar international bekannt, wissenschaftlich jedoch nicht anerkannt.

In dieselbe Kategorie dürfte z.B. auch die Akupunktmassage nach Penzel (APM) Willy Penzel (1918–1985) sowie die NPSO (Neue Punktuelle Schmerz- und Organtherapie) fallen, die von HP Rudolf Siener (1922-1993) begründet wurde.

Dr. Reinhold Voll (1909-1989) ist Erfinder der Elektroakupunktur (EAV). Seine Methode umfasste ursprünglich 850 EAV-Messpunkte (inzwischen gibt es weit mehr als 1000), die klassische Akupunktur dagegen nur 365 Punkte, einen pro Tag. Nicht viel anders sieht es bei den EAV-Meridianen aus, deren Anzahl von 12 auf 20 erhöht wurde. Die klassischen 12 lehnen sich an die Monate eines Jahres an. Für die Entdeckung und Entwicklung der EAV erhielt er zahlreiche Auszeichnungen; im Jahre 1979 wurde Dr. Voll das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Dass es auch anders geht und dies mit weit weniger Punkten, zeigt die japanische Akupunktur nach Prof. Yoshio Nakatani, bekannt als Ryodoraku.

Der Ursprung der klassischen Bioresonanzgeräte (MORA) geht ebenfalls auf die Akupunkturlehre zurück. Ihr Begründer, Dr. med. Franz Morell war vorher zwanzig Jahre im Vorstand der EAV. Er vertrat die Ansicht, dass es sich bei den patienteneigenen Schwingungen, die angeblich seiner Methode zugrunde liegen, um elektromagnetische Schwingungen handeln würde, deren Frequenzen mittels des MORA-Gerätes modifiziert oder gelöscht werden könnten. Die Bedeutung des Bewusstseins im therapeutischen Geschehen wurde jedoch nie von ihm erwähnt – wohlweislich. (MORA-Therapie: Patienteneigene und Farblichtschwingungen – Konzept und Praxis, ISBN 978-3830407089).

Die Anfänge der klassischen Bioresonanztherapie nach Morell sind im Detail in dem Buch des Autors „Super-Placebo – Im Zentrum von Bioresonanz und Akupunktur beschrieben, dass auch einen guten Einblickin die Gepflogenheiten der Branche gestattet.

Die Entwicklung geht jedoch weiter. Inzwischen sind mehrere interessante Systeme im Gerätesektor der Bioresonanz zu beobachten. So gibt es z.B. synergistische Verbindungen zwischen Akupunktur und Bioresonanz, wozu die moderne IT sehr interessante Möglichkeiten mit neuen Ansätzen bietet. Nach wie vor liegt dabei der Schwerpunkt auf der technischen Seite, wobei die bewusstseinsrelevante Komponente normalerweise nicht erwähnt wird.

Eine moderne Entwicklung ist das TAO-Medical System, das auf den Gesetzmäßigkeiten der klassischen Akupunktur sowie des I GING, dem Buch der Wandlungen aufbaut. Das System arbeitet nichtlinear. Des Weiteren kommen Elemente aus dem Bereich der Bioresonanztherapie hinzu, was die Methode zu einer modernen Regulationstherapie auf Basis fernöstlicher Medizin macht. Die Balancierung der Chakras erfolgt automatisch, dazu werden individuell berechnete Fraktale (Energiebilder) sowie dynamisches Farblicht zur rituellen Behandlung eingesetzt. Schwerpunktmäßig ist das System auf Bildschirmgrafiken aufgebaut, damit kann der Patient die einzelnen Schritte am Monitor verfolgen, was die Intensivierung der Behandlung ermöglicht.

Welches Therapiesystem für bewusstseinsrelevante Heilverfahren in einer Praxis eingesetzt werden sollte, ist schlussendlich eine Frage der persönlichen Affinität und den finanziellen Ressourcen. Wie dem auch sei, die materiellen Repräsentanten (Gerät / Bildschirm) sind jedoch als fokussierendes Element unentbehrlich, um auf der Ebene des Bewusstseins mit Erfolg zu arbeiten. Befürworter einer gerätebedingten Therapie werden nach wie vor auf imposante Geräte Wert legen, andere widerum bauen mehr auf ihr Wissen und ihre Erfahrung auf und werden die modernen Möglichkeiten der Bildschirm Darstellung
bevorzugen.

Schlussbetrachtung

Wer also vor der Frage steht, welche alternativ-komplementärmedizinische Methode zukünftig für ihn wohl die geeignetste sei (archaische Akupunktur oder moderne, digitale Bioresonanz), sollte stets in Betracht ziehen, dass der Therapeut selbst die beste Wirkungskomponente darstellt. Er ist inhärenter Teil jeder Therapie und die eingesetzten Methoden sind lediglich Werkzeuge des Bewusstseins, um die therapeutische Kunst der Anwendung in die Praxis umsetzen zu können.

Wer zusätzlich sein Wissen über Naturheilkunde fremder Kulturen erweitern möchte, der sollte sich u.a. auch einmal mit Traditioneller Afrikanischer Medizin (TAM) befassen. Sie ist ebenfalls mehrere Tausend Jahre alt und hat auch für uns interessante Ansätze zu bieten. Wer sich im Detail damit auseinander setzt, wird erstaunliche Verbindungen auch zu manchen bei uns gebräuchlichen Methoden der Naturheilkunde entdecken. Übrigens, auch Bert Hellinger, der eine Zeitlang in Natal/Südafrika lebte, dürfte bestimmte Ideen für seine Familienstellungen aus dem traditionellen Wissen der SANGOMAS erhalten haben.

10-02-2019, erweiterte Fassung 17-05-2019

Autor:
hermann-groesser@t-online.de
www.hermann-groesser.de

Hermann Grösser

Hermann Grösser ist Experte für Psychobiophysik und Radionik. Er befasst sich seit über dreißig Jahren mit nicht-materiegebundenen Therapie-Methoden und hat zahlreiche Veröffentlichungen darüber verfasst. Er unternahm ausgedehnte Recherchen im In- und Ausland und war an der Konzeption und Erprobung neuer Verfahren maßgeblich beteiligt. Seine langjährigen Aufenthalte in Marokko und Südafrika ermöglichten ihm Einblicke in die Praktiken indigener Heiler zu erhalten.


1 WHO World Health Organisation

2 Geist-Materie Schnittstelle

3 L’art de la médecine consiste à distraire le malade pendant que la nature le guérit (Voltaire 1694-1778)

4 On ne voit bien qu’avec le coeur, l’essentiel est invisible pour les yeux (Saint-Exupéry 1900-1944)

Literaturempfehlung - Heilwirkung ohne pharmakologisches Wirkprinzip

  • Christians, Franz, Bewusstsein und Geist – Ihre Beziehung zur Komplementärmedizin, (SOM 4/2013)
  • ​Christians, Franz, Ritus und medizinische Geräte – Ihre Bedeutung im Bereich der Komplementärmedizin, (SOM 3/2014)
  • SOM = Systemische Orale Medizin
  • Andree, Martin, Ein Placebo ist die beste Medizin, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.02.2019, Seite 60
  • Andree, Martin, Placebo-Effekte: Heilende Zeichen, toxische Texte, ansteckende Informationen, Verlag Wilhelm Fink; Auflage: 2018, 461 Seiten
  • ​Brendler, Michael, Der Schein hat Grenzen, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.02.2019, Seite 63
  • ​Kuby, Clemens, SWR1 Leute heute, 21.02.2019  im Interview mit Nicole Köster (https://clemenskuby.de)
  • Kuby, Clemens, Heilung aus dem Geiste – Ein Blick in die Welt der Geistheiler und Schamanen, Interview mit Hermann Grösser, CO’MED 02/02
  • Meiners, Prof. Dr. rer. nat. Hermann, Alternativmedizin auf dem Prüfstand
    ​www.zm-online.de/m5.htm, Nr. 14, 15, 16, 17 Jahrgang 2001
  • Bewusstseinsgeprägte Arzneien im Wandel der Zeit, Grösser, Hermann, CO’MED 12/99
  • Strong Medicine: The Secret Power of African Healing
    Part 1 www.youtube.com/watch?v=JQkiswWChy4
    Part 2 www.youtube.com/watch?v=UXu9TH-RZQ0
  • ​Beim Sangoma meines Vertrauens (27.07.2009)
    www.welt.de/vermischtes/article4201792/Beim-Sangoma-meines-Vertrauens.html

​Shou - chinesisches Symbol für Gesundheit und langes Leben

Hermann Grösser

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