Wie Heilung geschieht

Nichts

Bereits 1995 erschien in dem englischen Scientific and Medical Network Journal ein Artikel, der in diesem erstaunlich offenen Forum mutig die Frage nach dem eigentlichen Wesen von Heilungsprozessen stellte. Die beachtenswerte These: Sowohl der komplementären als auch der konventionellen Medizin liegt letztlich ein einheitliches Wirkprinzip zugrunde, das auf einer spirituellen Ebene zu suchen ist. Würde die Alternativmedizin diesen Ansatz konsequent verfolgen, hätte sie nach Meinung der Autoren eine viel stärkere Position gegenüber der Schulmedizin, als wenn sie zweifelhafte wissenschaftliche Erklärungsmodelle ins Feld führt – was bis heute zur Verteidigung ständig geschieht. Selbstverständlich wird damit nicht gefordert, offensichtliche Wirkprinzipien auf der physikalischen Ebene zu verneinen. Es geht vielmehr darum, zu einer neuen Gewichtung der geistigen Ebene zu gelangen. Die These des ‚Heilungseffekts‘ hat in England in Fachkreisen zu einer lebhaften Diskussion geführt, wenngleich diese kaum veröffentlicht, geschweige denn z.B. im deutschsprachigen Raum zur Kenntnis genommen wurde. Bisher wurden auch keine weiterführenden Forschungen durchgeführt, so dass der Text nach wie vor große Aktualität besitzt. Co-Autor Tony Scofield ist übrigens zur Zeit Vorsitzender der Radionic Association (englische Radionische Gesellschaft).

Wie Heilung geschieht

Heilungsenergie ist das grundlegende Prinzip der konventionellen wie der komplementären Medizin
Von David Hodges und Tony Scofield

Immer mehr Laienanwender – und bis zu einem gewissen Grad auch Ärzte – vertrauen heute auf die Angebote der alternativen Medizin. Obwohl die konventionelle Medizin im Notfall Leben zu retten vermag und sie vielen Patienten ein aktives Leben ermöglicht, wächst in der Öffentlichkeit das Unbehagen angesichts mancher ihrer Techniken.(1) Besonders, wenn es um chronische, nicht lebensbedrohliche Krankheiten geht, wenden sich viele Menschen den oftmals einfacheren Therapieformen zu, die von den Praktikern der Komplementärmedizin angeboten werden. Trotz dieses Trends werden alternative Methoden von der Schulwissenschaft größtenteils noch immer ignoriert, weil bisher weder ein allgemeines Prinzip noch eine allgemein akzeptierte theoretische Basis zur Erklärung ihrer Wirksamkeit formuliert wurden.(2) Zum Teil liegt die Schuld jedoch auch bei der klassischen Medizin selbst, die sich weiterhin an das cartesianische Weltbild klammert, obwohl die neuen Entdeckungen der Physik nahe legen, dass die Newtonsche Mechanik nur Teilaspekte der Wirklichkeit beschreibt. Viele der alternativen Ansätze hingegen gründen in dem neu entstehenden wissenschaftlich-medizinischen Paradigma, das auf feinstofflichen oder spirituellen Energien basiert.(3)

Dieser Bereich entwickelt sich rasch: Eine Untersuchung wies bereits 1987 rund 160 verschiedene Therapieformen nach, und weiterhin tauchen regelmäßig neue Behandlungsformen auf. Inzwischen gibt es eine verwirrende Bandbreite an verfügbaren Therapien, wobei dem Einzelnen wenig Hilfe bei der Wahl einer für ihn effektiven und passenden Methode geboten wird. Zwar haben viele Therapien Ausbildungen und Richtlinien auf einem professionellen Niveau entwickelt, das durchaus mit der konventionellen Medizin Schritt halten kann. Da jedoch ein allgemein anerkannter theoretischer Rahmen (jenseits solcher Konzepte wie etwa „energetische Schwingungsmedizin“(4)) fehlt, ist zu fürchten, dass komplementäre Therapien Randerscheinungen des wissenschaftlichen und medizinischen Mainstreams bleiben könnten. Beim gegenwärtigen Stand der Entwicklung scheint es daher dringend geboten, nicht nur Nachweismethoden zu entwickeln, welche die Effektivität der verschiedenen Therapien demonstrieren, sondern auch eine theoretische Basis zu schaffen, welche die ihnen zugrunde liegenden Mechanismen aufzeigt. Möglicherweise könnte so ein gemeinsamer Nenner für die komplementäre Gesundheitsfürsorge gefunden werden.

Vielschichtigkeit als Herausforderung

Die Situation der sich außerhalb des Mainstreams befindlichen Therapien stellt sich äußerst komplex dar. Beispielsweise basieren Akupunkturbehandlungen auf der Theorie, dass die Körperoberfläche von einer Reihe sehr dünner Energiemeridiane überzogen ist. Das Aktivieren spezifischer Meridianpunkte durch Nadeln, Fingerdruck oder elektrische Stimulation könnten die Körperenergien wieder ins Gleichgewicht bringen und so den Krankheitsverlauf umkehren. Die Meridiane und die dazugehörigen Akupunkturpunkte stellen also ein Abbild des Organsystems des Körpers dar. Nun findet sich allerdings ein analoges Abbild auch auf dem Ohr: In der Aurikulotherapie werden nur diese Ohr-Akupunkturpunkte anstelle des komplexeren Systems auf dem ganzen Körper durch Nadeleinstiche stimuliert.

Ein ähnliches, jedoch einfacheres Modell der feinstofflichen Energiesysteme des Körpers liefern die Polaritätstherapie und die Reflexologie. Sie lokalisieren die subtilen Körperenergien in fünf Bahnen, die sich über jede Körperhälfte vom Kopf bis zu den Zehen und in Abzweigungen über die Arme bis in die Hände erstrecken. Die Zonen werden als durch verschiedene Strukturen und Organe verlaufend beschrieben, die sich auch an verschiedenen Bereichen der Hände und Füße widerspiegeln. Die Fußreflexzonenmassage behandelt beispielsweise spezifische Zonen der Füße, um das energetische Gleichgewicht des jeweils korrespondierenden Organs wieder herzustellen. Ähnliche Wirkungen werden auch einer entsprechenden Behandlung der Hände zugeschrieben.

Wir haben hier also zwei deutlich unterschiedliche Modelle vor uns, die beide das feinstoffliche Energiesystem des Körpers beschreiben, und die mit Hilfe verschiedener Arten der Stimulierung die Gesundheit des Patienten zu verbessern versprechen. Ähnliche Vielschichtigkeit – oder eher Verwirrung? – ist auch in anderen Gebieten alternativer Heilmethoden zu finden. Klarheit über die Modelle und Theorien, die den komplementären Therapien zugrunde liegen, tut not – falls eine Vereinfachung überhaupt möglich ist.

Im Folgenden sprechen wir von Heilern und Heilung. Beide Begriffe können sowohl allgemeine als auch spezifische Bedeutung haben. Im allgemeinen Sinne bezeichnet man meist KrankenpflegerInnen oder Ärzte als Vertreter der Heilberufe; sie heilen, indem sie versuchen, die Krankheit des Patienten zu lindern. Im spezifischeren Sinne bezieht sich Heilung (gewöhnlich bekannt als spirituelles, hellsichtiges oder mentales Heilen) auf Personen, die in der Regel durch einfaches Handauflegen in Interaktion mit dem Energiesystem des Patienten treten und so einen Kanal für die Übertragung von Heilungsenergie öffnen. Auf diese Weise soll eine Balance wiederhergestellt und der Krankheitsprozess umgekehrt werden.(5) Es ist dieser zweite, spezifischere Sinn des Begriffs, den wir in diesem Artikel benutzen.

Drei Ebenen der Wirksamkeit

Unsere eigene Forschung, Kontakte mit einer Reihe von Heilern und Komplementärtherapeuten sowie eingehende Literaturrecherchen haben uns zu dem Schluss geführt, dass es einen gemeinsamen Basismechanismus geben muss, der das gesamte Spektrum der Gesundheitsfürsorge durchzieht, die von der Schulmedizin als „unkonventionell“ bezeichnet werden. Dieser Mechanismus könnte die komplementären Therapien auf einer einzigen und eindeutigen theoretischen Grundlage vereinigen und außerdem eine Erklärung für den Großteil des Erfolges in der Krankenpflege und der konventionellen Medizin liefern.Wir behaupten, dass jegliche Therapieformen auf zumindest den folgenden drei Ebenen wirken:

  1. Physische/physiologische/pharmakologische Ebene: Die medizinische Wissenschaft geht davon aus, dass in erster Linie auf der Ebene des physischen Körpers therapeutisch Einfluss genommen wird. Dies geschieht ganz offensichtlich durch Chirurgie, Medikamente und Phytotherapie, die wesentliche Wirkungen zeigen. Der Wert dieser direkten physikalischen und/oder chemischen Therapieformen sollte nicht unterschätzt werden. Psychologische/mentale Ebene: Die medizinische Wissenschaft anerkennt, dass diese Ebene von gesundheitlicher Bedeutung ist. Insbesondere wird dies in der Wirkung des Placeboeffekts, der Psychoneuroimmunologie und anhand ähnlicher psychosomatischer Prozesse deutlich gemacht. Gute Therapeuten zeichnen sich möglicherweise dadurch aus, dass sie eine besondere Begabung haben, den Placeboeffekt auszulösen.
  2. Höhere mentale/spirituelle Ebenen: Die Mainstream-Medizin räumt diesen Ebenen in der Regel keinen Platz im Rahmen ihrer theoretischen Basisannahmen ein, im Gegenteil: deren Existenz wird in der Regel weitestgehend abgestritten. Vom Standpunkt der Komplementärmedizin aus spielen jedoch die Ebenen 2 und 3 die bedeutenderen Rollen, und wir nehmen an, dass auf der dritten Ebene die für die komplementären Therapien essenziellen Prozesse ablaufen. Wir halten die Existenz eines einheitlichen, der gesamten Bandbreite der Therapiemethoden zugrunde liegenden Prinzips für wahrscheinlich und nennen dies den Heilungseffekt. Wir meinen sogar, dass dies im weitesten Sinn auch für diejenigen Therapieformen gilt, von denen man sonst annimmt, ihre Wirksamkeit ließe sich direkt auf einen physikalisch-chemikalischen Effekt zurückführen. Anders ausgedrückt, glauben wir, dass auch die Wirkungsweise der konventionellen Medizin letztlich auf dem Heilungseffekt beruht, auch wenn wir die offensichtlichen Wirkungsweisen auf Ebene 1 selbstverständlich anerkennen. Der Heilungseffekt steht für ein Prinzip, das weiter über den Plazebo- oder ähnliche psychosomatische Effekte hinausreicht. Wir versuchen ihn wie folgt zu beschreiben:

Der Heilungseffekt

Alle Therapieformen, gleich, ob sie den konventionellen Bereichen Medizin, Chirurgie oder Psychiatrie angehören oder komplementären Konzepten entspringen, beruhen in ihrer Essenz auf dem Prozess der Heilung. Der Therapeut nutzt einen „Heilungseffekt“ mehr oder weniger stark, um das Energiesystem des Patienten ins Gleichgewicht zu bringen und die körpereigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Alle konventionellen und komplementären Therapien sind nur als Medium zu verstehen, mit dessen Hilfe der Therapeut den Heilungsprozess manifestiert. Wir betrachten den Heilungseffekt sogar auch dann als den wesentlichen Faktor, wenn der Therapeut sich dessen nicht bewusst ist und gleichzeitig auch die offensichtlicheren Aspekte der Therapie auf den physischen Körper Einfluss nehmen. Wir nehmen an, dass alle in der Gesundheitsfürsorge tätigen Menschen sich des Heilungseffekts als primären Aspekt in der Behandlung des Patienten bedienen, unabhängig davon, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht. Für manche Therapien scheint der Heilungseffekt, dessen Wirksamkeit wir auf der dritten der vorhin beschriebenen Ebenen sehen, eine wichtigere Rolle zu spielen als in anderen. Die Balance zwischen der Wirkebene des Heilungseffekts und der physikalischen Ebene kann je nach Art der Therapie sehr verschieden gewichtet sein. Nichtsdestotrotz halten wir die Übertragung der Heilungsenergie vom Therapeuten zum Patienten und die dadurch ausgelöste Stimulierung der Selbstheilungskräfte des Patienten – die vis medicatrix naturae – für den grundlegenden oder zumindest für den in den meisten Fällen wichtigsten Aspekt jeder gesundheitsfördernden Maßnahme.(5) Wir verwenden den Begriff Heilungsenergie hier im Kontext der therapeutischen Systeme – in anderen Zusammenhängen werden oft die synonymen Begriffe „feinstoffliche“ oder „spirituelle Energie“ angeführt.

Nicht alle Therapeuten haben in gleichem Maße Zugang zur Heilungsenergie. Manche Menschen besitzen diese Fähigkeit anscheinend von Geburt an, während andere sie im Laufe ihres Lebens entwickeln, möglicherweise nachdem sie selbst einen Unfall durchlebt oder eine Krankheit überwunden haben – das Wounded-Healer-Syndrom (der Heiler, der durch eine Lebenskrise zu seiner Berufung findet) darf wohl als bekannt gelten. Offenbar ist es auch möglich, einem Menschen zu vermitteln, wie er die ihm innewohnenden Heilkräfte freisetzen kann, z.B. erlernen viele Krankenschwestern die Therapeutic-Touch-Technik.(6) Genau genommen nutzen die meisten Berufstätigen in der Gesundheitsfürsorge diese Energie mit Erfolg, wenn auch meist unterbewusst. Auch wenn Ausbildungsstand und medizinisches Wissen unter Ärzten und Therapeuten durchaus unterschiedlich sind, erzielen doch manche offenbar unabhängig von ihrer technischen Kompetenz dauerhaft positive Ergebnisse; einige Chirurgen haben hohe Erfolgsquoten bei niedrigerer Sterblichkeit und schnellerer Genesung ihrer Patienten als andere. Diese besondere Fähigkeit „an der Bettkante“ war in Zeiten, als die pharmazeutische Medizin noch nicht am Ruder war, ein allgemeiner Gradmesser für das Können eines Arztes. Besonders in der Krankenpflege spielt die Heilungsenergie eine wichtige Rolle, auch wenn sie, wie gesagt, meist unbewusst übertragen wird.(7)

Heilungsenergie freisetzen

Wie lässt sich also die Wirkung des Heilungseffekts als kleinster gemeinsamer Nenner des weiten Spektrums an Therapieformen und Herangehensweisen erklären? Es scheint, als könne das „Heilen“ durch einen Therapeuten die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen. Gesundheit ist „die Erfahrung des Wohlbefindens, die aus der dynamischen Balance erwächst, welche die physischen und psychischen Aspekte des Organismus genauso umfassen wie seine Interaktion mit der natürlichen und sozialen Umwelt.“(8) Nach Ansicht vieler Therapeuten gibt das Heilen dem Körper den wesentlichen Anstoß, diese Balance zu optimieren. Werden jedoch die tiefer liegenden Ursachen der Erkrankung nicht beseitigt – und dies liegt letztlich in der Verantwortung des Patienten selbst -, wird sich die Balance wiederum in Richtung Unwohlsein verschieben.

Wir würden nun gern erklären können, was genau das Wesen dieser Energie ist, die so effektiv als Auslöser von Heilungsprozessen wirkt, doch ist dies gegenwärtig noch nicht möglich, und eine Erörterung der offenen Punkte würde an dieser Stelle auch zu weit führen. Die meisten Therapeuten haben dazu ihre eigenen Ansichten, die sie jedoch kaum durch objektive Argumente zu stützen wissen. In einer Reihe von Studien wurde versucht, die Heilungsenergie zu messen, zum Beispiel in einer para-elektrischen Maßeinheit, dem Worrall (nach dem beteiligten Heiler(9)). Aber die Experimente, auf denen solche Spekulationen beruhen, werden leider nur selten wiederholt, so dass sie keinerlei wissenschaftliche Aussagekraft erhalten. Da das Heilen selbst in der Literatur nur wenig Beachtung findet, ging unsere eigene Arbeit zunächst einmal dahin, in einem simplen Versuch die Existenz des Phänomens „Heilung“ nachzuweisen. Unser Experiment bestand darin, in Samenkörnern Stress zu erzeugen, indem wir Salz auf sie einwirken ließen. Wir konnten schlüssig beweisen, dass ein Heiler Einfluss auf einen belasteten Organismus nehmen kann – er sich also per definitionem einer „Heilungsenergie“ bedient.(10) Mit diesem und ähnlichen Experimenten hoffen wir die Faktoren zu finden, die Heilungsprozesse hemmen oder verstärken, nicht nur, um zu verstehen, wie heilerische Fähigkeiten gesteigert werden können, sondern auch, um der wahren Natur der Heilungsenergie und der heilenden Interaktion auf die Spur zu kommen. Allerdings waren unsere Anstrengungen, für dieses Projekt finanzielle Unterstützung zu finden, bis heute erfolglos.

Das Weltbild des Therapeuten

Ein wichtiger Aspekt des Heilens betrifft die Weltanschauung des Therapeuten. Sämtliche Therapieformen, einschließlich der konventionellen Medizin, bewegen sich innerhalb ihres eigenen, kohärenten Weltbildes.(11, 12) Unser Weltbild hat sich im Laufe der Geschichte des öfteren gewandelt. Auch die gegenwärtige medizinische Praxis ist nur eine Spiegelung der derzeit vorherrschenden kollektiven Wirklichkeitsauffassungen. Während sich die konventionelle Medizin in der mechanistischen Vorstellung des cartesianischen Universums begründet, ziehen die Vertreter komplementärer Therapien andere Grundlagen zur Erklärung ihrer eher holistischen Ansätze heran. Statt jedoch die Begründung ihrer Wirkprinzipien in einem spirituellen Kontext zu suchen – was sie in der Regel in allen anderen Lebensbereichen tun -, bemühen sich viele alternative Heilpraktiker, ihre Therapiemethode der konventionellen gesellschaftlichen Weltsicht anzudienen, indem sie quasi-wissenschaftliche Konzepte oder meist völlig unverstandene Prinzipien der Quantenphysik zitieren. Das Bedürfnis, solche Erklärungsmodelle zu konstruieren, rührt vermutlich von der irrigen Meinung her, eine Therapie müsse „gemäß Lehrbuch“ anwendbar und vermittelbar sein. Viele Homöopathen verwenden beispielsweise radionisch hergestellte Mittel, obwohl sich bis heute die Hypothesen zur Wirkungsweise der Homöopathie allein auf die Veränderungen in der Wasserstruktur durch Verschüttelung stützen. Wir müssen endlich über diese absolut oberflächlichen Erklärungsversuche hinausgehen, um an die Wurzel des Heilungsvorgangs zu gelangen. Die wenigsten von uns denken jedoch in diese Richtung. Es kann auch sein, dass sich ein wirkliches Verständnis gar nicht eindeutig sprachlich fassen lässt.

Hilfsmittel als Ritualgegenstände

Wenn wir auch glauben, dass die Essenz von Heilung letztlich spiritueller Natur und bislang in ihrem Wesen unverstanden ist, halten wir es doch für sinnvoll, eine Weltsicht vorzuschlagen, die ungeachtet der derzeit anerkannten Erklärungsversuche ihrer Wirkungsweise alle Heilungsphänomene integrieren kann. Therapeuten und Patienten bewegen sich idealerweise innerhalb einer gemeinsamen Weltanschauung, wobei sich insbesondere der Therapeut in einem in sich kohärenten Weltbild befinden muss. Eine langjährige Ausbildung vieler Therapeuten in konventionellen oder komplementären Systemen – gleiches gilt auch für den Schamanismus – stärkt den Glauben an die jeweilige Therapiemethode, so dass sie erfolgreich eingesetzt werden kann. Dieses Phänomen kann auch begründen, warum die eigenen Methoden dort Erfolge zeigen, wo andere versagen. Jedes System hat seine eigenen Besonderheiten, die es von den übrigen abheben: die Homöopathie benutzt dynamisierte Präparate, Akupunktur manipuliert die Meridiane, wieder andere benutzen Magnete, Kristalle oder Laser.

Als diagnostische Techniken werden ebenfalls verschiedenste Methoden angewandt: Wünschelruten, Strahlungskameras, Kirlianphotographie, Pulsdiagnose, Emanometer, Vegatest und ähnliche Hilfsmittel kommen zum Einsatz. Diese Instrumente machen häufig optisch großen Eindruck und gehören zum Weltbild der jeweiligen Therapie. Wir halten sie für einen essenziellen Teil des Heilungsrituals, möchten aber die behauptete technische Funktion in vielen Fällen bezweifeln. Gespräche mit Anwendern solcher Apparate und deren technische Beschreibungen(13) haben uns zu dem Schluss geführt, dass viele Geräte für den Therapeuten lediglich ein Mittel zum Zweck darstellen, um sich in die Heilungssituation zu begeben. Dann kann er das Problem innerhalb seiner eigenen Weltanschauung verstehen und das entsprechende Ritual durchführen, das schließlich die Heilungsenergie freisetzt. Diese These ist keineswegs völlig neu. Eine ganze Reihe von Autoren, zum Beispiel Playfair und Green&Green,(13, 14) vertreten die Ansicht, dass Hilfsmittel lediglich das Heilungspotenzial des Patienten freisetzen und man eher besser daran täte, den Patienten selbst anstelle der behaupteten Fähigkeiten der unterschiedlichen Hilfsmittel zu untersuchen, wenn man zu einem tieferen Verständnis des Heilungsvorgangs gelangen möchte.

Die Intensität, mit welcher der Therapeut sich emotional in ein bestimmtes Ritual hineinbegibt, ist nach unserem Dafürhalten der Schlüssel zu seinem Erfolg. Das mag auch erklären, warum Therapien kommen und gehen. Im Laufe der Jahre hatten einige Therapieformen ein eher kurzlebiges Dasein, während andere, wie zum Beispiel die Homöopathie, sich dauerhafter Beliebtheit erfreuen. Ein berühmtes Zitat, das verschiedenen Leuten zugeschrieben wird, darunter Sir William Osler, Trousseau und Sydenham, lautet, „wir sollten neue Verfahren nutzen, solange sie noch Wirkung zeigen.“ Eine neue Therapie ist immer auch ein neuer Trend – das aufregend Neue inspiriert Hoffnung auf Heilung, wenn bisher alles andere versagt hat. Therapien sind in den Händen der Gründer oft erfolgreicher als in den Händen der nachfolgenden Schüler(12). Die Gründer erschaffen die Weltanschauung, in der die Behandlung funktioniert, und ihre Autorität weckt die Erwartungen und Hoffnungen der Patienten. Zweifellos unterstützt ihr fester Glaube an das System ihre natürlichen Heilkräfte. Der emotionale Einsatz und der Glaube der Nachfolger ist in der Regel bereits deutlich geringer. Vor diesem Hintergrund ließe sich erklären, warum in einigen Fällen die Effektivität einer Therapie mit der Zeit schwindet.

Die Schwierigkeit der Anerkennung

In der Verschiedenartigkeit komplementärer Techniken und ihrer Erklärungsmodelle, die alle auf unterschiedliche Weise beschreiben, wie sie Energien ausbalancieren und die vis medicatrix naturae stimulieren können, liegen uch die Schwierigkeiten bei der Anerkennung einer Therapie durch den Gesetzgeber. Als besonders problematischen Faktor betrachten wir hier den häufig ziemlich umfangreichen Detailreichtum der Ausrüstung, die für e ine bestimmte Therapie erforderlich ist. Obwohl die Hilfsmittel tatsächlich nur Teile eines Rituals sind und sie lediglich die Aufmerksamkeit des Therapeuten auf die durch die Krankheit des Patienten gestellte Herausforderung sowie sein Glaubenssystem fokussieren, macht ihn gerade dies durch gesetzliche Sanktionen angreifbar, indem der physikalische Anteil des Heilungsrituals z.B. die Anwendung von Tabletten, Tinkturen oder verschiedene physische Manipulationen verlangt.

Hinzu kommt die Problematik der meist unzureichenden Erklärungen ihrer Wirkungsweise: Wir sind überzeugt, dass die komplementäre Medizin gegenüber den Anfechtungen konventionell ausgebildeter Wissenschaftler in einer wesentlich stärkeren Position wäre, wenn der Großteil ihrer Therapeuten anerkennen würde, dass sie in erster Linie mit Heilungsenergie arbeiten und dass ihre Techniken und Instrumente lediglich Bestandteile eines Rituals darstellen, das der Erzeugung dieser Energie dient.

Auch wenn zur Erklärung des spirituellen Heilens bereits eine umfangreiche Literatur existiert,(15) besteht doch dringender Bedarf an experimentellen statistischen Nachweisen, um die wirksamen Effekte dieser und anderer alternativer Therapien zu verstehen. Wir erwarten von solchen Experimenten eine starke Unterstützung für unsere Aussage, dass das jeweilige Ritual nur einen mittelbaren Zugang zu einer wie auch immer gearteten, geheimnisvollen Heilungsenergie darstellt. Mit unserer These wollen wir selbstverständlich keineswegs die gesamte Bandbreite der komplementären Therapien diskreditieren. Ebenso wenig möchten wir den Wert konventioneller Behandlungsmethoden schmälern, indem wir ein einfaches Modell der Heilung als primären gemeinsamen Mechanismus sämtlicher Therapieformen vorstellen. Ganz im Gegenteil – wir haben bereits festgestellt, wie stark der Glaube an eine komplexe Therapie den Ausübenden dazu befähigen kann, den grundlegenden Heilungseffekt verstärkt zu nutzen und auf diese Weise enorme Kraft zu entwickeln.

Dieser Artikel stellt die Zusammenhänge notwendigerweise sehr komprimiert dar und kann lediglich eine Zusammenfassung der bisher entwickelten Ideen sein. In einem solchen Rahmen können unmöglich alle Details und Hintergrundinformationen aufgeführt werden, die unsere Behauptungen stützen und die noch vorhandenen Lücken in der Argumentation schließen. Wenn wir aber mit unserem Text den grundlegenden Ansatz in unserem Verständnis, wie Heilung geschieht, umreißen konnten und sich an unseren Thesen eine öffentliche Diskussion entzündet, hat er seinen Zweck erfüllt.

Der vorliegende Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der Autoren und des Scientific and Medical Network Journal sowie der Zeitschrift KursKontakte, in der die deutsche Übersetzung erstmals erschienen ist. Übersetzung aus dem Englischen von Jochen Schilk und Lara Mallien.

Die Zeitschrift KursKontakte baut derzeit ein Diskussionsforum zu den Thesen dieses Artikels auf. Wenn Sie sich mit einem Kommentar daran beteiligen möchten, freut sich die Redaktion über Zuschriften: Redaktion KursKonakte, z.H. Lara Mallien, Am See 1, D-17440 Klein Jasedow, Tel. 038374-75213, Fax -75223, eMail lm@humantouch.de.

Literatur:

  1. Chaitow, L. (1994) Int. J. Alt. Compl. Med. 12 (2), 3;
  2. B.M.A. (1993) Complementary Medicine. New Approaches to Good Practise. London, British Medical Association;
  3. Dossey, L. (1993) Resurgance, No. 161, 21-25;
  4. Gerber, R. (1988), Vibrational Medicine, Santa Fe, Bear&Co;
  5. Hodges, R.D., Scofield A.M. (1995) J. Roy. Soc. Med., 88: 203-207;
  6. Krieger, D. (1986). The Therapeutic Touch. New York; Prentice-Hall;
  7. Dossey, B.M. et al. (1988) Holistic Nursing, Tunbridge Wells, Aspen Publishing Co.;
  8. Capra, F. (1986) Holistic Med., 1, 145-159;
  9. Rindge, J.P. (1977). In Healers and the Healing Process, Meek, G.W. ed., pp. 130-146 Wheaton III. Theosophical Publishing House;
  10. Scofield, A.M., Hodges, R.D. (1991) J. Soc. Psychical Res.; 57, 321-343;
  11. Akerknecht, E.H. (1942) Bull. Hist. Med., 11: 503-521. Frank J.D. (1963) Persuasion and Healing. New York, Schocken Books. Hiller, S., Jewell, T. (1987) Holistic Med., 2-15-26;
  12. Torrey, E.F. (1972) The Mind Game. Witchdoctors and Psychiatrists. New York; Emerson Hall Publishers;
  13. Scofield, A.M.(1989) J. Brit. Soc. Dowsers, 33; 423-438;
  14. Green, E., Green, A., (1977) Beyond Feedback. New York Delacorte Press. Playfair, G.L. (1985) If This be Magic. London, Jonathan Cape;
  15. Benor, D.J. (1993) Healing Research. Holistic Energy Medicine and Spirituality. Vol. 1. Deddingston, Oxon, Helix Editions.

© 08.2001 Radionik Verlag

Claudio Romanazzi

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(2) comments

Jürgen 2. Juni 2015

Vielen Dank für den sehr erhellenden Artikel! Ich frage mich allerdings, ob der Glaube an die Macht der Schwingung, des Heilstroms oder des Quanteneffekts nicht auch einen großen Teil des Erfolges ausmacht. Beim Patienten wie beim Therapeuten. Nimmt man diesen Glauben weg, schmälert man damit nicht u.U. den Erfolg?

Reply
    Claudio Romanazzi 6. März 2015

    Das ist immer eine Frage des Glaubenssystems. Der wissenschaftliche Ansatz will ja gerade solche Sachen wie Glauben usw. aussachalten. Ich persönlich glaube, dass es ohne Glauben gar nicht geht – egal um was es sich handelt. Es ist immer so, dass die persönliche Präferenz, der persönliche Glauben, das persönöiche Vorurteil das Ergebnis in mehr oder minder starkem Ausmaß beeinflussen wird.

    Im Übrigen haben wir ja mit der Radionik ein hervorragendes Mittel, diese Trends unseren Anforderungen entsprechend zu steuern.

    Um die Frage von oben zu beantworten – man kann den Glauben nicht wegnehmen, er ist da und nicht verrückbar. Man kann nur Menschen verschiedener Glaubensrichtungen (was geht warum) auf ihre Ergebnisse hin vergleichen.

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